
Es ist nicht bekannt, ob der Täter bei der Tat tatsächlich ein Klischee bediente und im Dunkeln mit einer beleuchteten Tastatur arbeitete. Was jedoch sicher ist: Ein Hacker erbeutete die internen Login-Daten des französischen Registrars Gandi.net. Die Folge: Domains wurden auf schädliche Malware umgeleitet.
Ein Angreifer hat am Freitag der vergangenen Woche die Login-Informationen der französischen Domain-Registrars Gandi.net für einen von dessen technischen Providern verwendet um die DNS-Einträge von insgesamt 751 Domains zu manipulieren. Dadurch wurde der Traffic zu den betroffenen Domains auf eine schädliche Website umgeleitet. Betroffen waren laut Gandi.net ausschließlich Adressen mit länderspezifischen Top-Level-Domains.
Einem detaillierten Bericht des Registrars zufolge passierten die Änderungen am Freitag, dem 7. Juli zwischen 10:04 Uhr und 11:44 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (UTC plus zwei Stunden); um 15:50 Uhr hatte das Team von Gandi.net die Manipulationen rückgängig gemacht. Danach dürfte es noch zwei bis drei Stunden gedauert haben, bis alle lokalen DNS-Server die Korrekturen übernommen und die TTLs (Time-to-Live) abgelaufen waren.
In der Summe dürften die betroffenen Domains bis zu elf Stunden lang auf die schädliche Website geleitet haben. Die schweizer Registry Switch.ch hatte betroffene Kunden gewarnt; sie berichtet in ihrem Blog. Dass Besucher der betroffenen Domains auf die Infrastruktur des Exploit-Kits RIG geleitet wurden, solange die Manipulationen online waren. Faule Zertifikate wurden unterdessen laut Gandi.net nicht ausgestellt. Zwar wurden während des Angriffs 18 Zertifikate ausgestellt sie erwiesen sich aber nach manueller Prüfung als legitim.
Gandi.net legt Wert auf die Feststellung, dass die eigenen Systeme nicht gehackt wurden ? die Login-Daten zum technischen Provider seien möglicherweise abhanden gekommen, weil der Login bei diesem über eine ungesicherte Verbindung erfolge. Als Reaktion auf den Angriff hat der Registrar einen Sicherheitsaudit für seine komplette Infrastruktur gestartet. Einen Täter hat man indes noch nicht ausmachen können obwohl durchaus Spuren vorliegen.
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