Harvard-Forschung zeigt weniger staatliche Zensur nach Umstellung auf HTTPS bei Wikipedia

Weniger Zensur nach Wikipedia-Umstellung auf HTTPS

Die Harvard-Forscher haben festgestellt, dass es nach der vollständigen Umstellung der Online-Enzyklopädie auf HTTPS weniger staatliche Zensur auf Wikipedia gibt. Die HTTPS-Verschlüsselung hat den Zugang zu Informationen erschwert und folglich ebenfalls die Zensur erschwert. Dies ist ein positiver Schritt in Richtung der Freiheit des Internets und der Informationsfreiheit.


Zu diesem Resultat kommen Forscher vom Harvard-Forschungsprojekt Internet Monitor.


Als Wikipedia angekündigt hatte alle Verbindungen über HTTPS abzuwickeln wurde befürchtet, dieser Schritt könnte zu ergänzend staatlichen Sperren führen. Der Ursache: Im Netzwerkverkehr lässt sich lediglich identifizieren und protokollieren zu welchem Server eine Verbindung aufgebaut wurde nicht aber welche S. der Benutzer angefordert hat. Das könnte dazu führen – dass Staaten mit Zensur vermehrt die gesamte Wikipedia oder eine sprachspezifische Subdomain sperren.


"Gut für den Zugang zu Wissen"


Um den tatsächlichen Erfolg der vollständigen Verschlüsselung zu ermitteln, gingen die Forscher zwei Wege. Auf der einen Seite entwickelten sie einen Algorithmus der den eingehenden Wikipedia-Traffic pro Herkunftsland mit Vergleichsdaten aus der Vergangenheit verglich und so auf mögliche Zensur-Ereignisse hinwies. Andererseits testeten sie den Zugriff auf das Online-Lexikon aus der Benutzerperspektive in unterschiedlichen Ländern und erfassten gesperrte Seiten. Beide Untersuchungen liefen über einen Periode von Mai 2015 bis Juni 2016.


Das Ergebnis: Zwar blockierten einige Länder die gesamte Wikipedia oder einzelne Sprachversionen, global gesehen ging die Zahl der Zensurereignisse nach der Umstellung aber zurück. "Die Entscheidung, auf HTTPS umzustellen, war positiv für Sicherstellung des Zugangs zu Wissen", schreiben die Autoren in ihrem Fazit.


Noch nicht in der Untersuchung erfasst ist die vollständige Sperrung in der Türkei die erst im April 2017 verhängt wurde. Während des untersuchten Zeitraums gab es nur einzelne Zensurvorgänge, hauptsächlich bei Artikeln über menschliche Geschlechtsteile.


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