Eugene Kaspersky fürchtet "Cyber-Terrorismus"

Eugene Kaspersky fürchtet "Cyber-Terrorismus"
Der umstrittene russische IT-Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky sagte am heutigen Mittwoch, nur gemeinsame internationale Bemühungen könnten "eine Ära des Cyber-Terrorismus" verhindern. Als Beleg für diese Theorie nannte Kaspersky unter anderem den kürzlich von seinem Unternehmen "Kaspersky Labs" entdeckten Spionage-Trojaner Flame.

"Es ist kein Cyberkrieg, es ist Cyber-Terrorismus, und ich befürchte, es ist nur der Anfang des Spiels... ich befürchte, es wird das Ende der Welt, wie wir sie kennen, sein," so Kasperskys warnende Worte auf einer IT-Sicherheits-Konferenz in Tel Aviv. "Ich habe Angst, glauben Sie mir," sagte der Sicherheitsexperte.

Kasperskys Unternehmen, Kaspersky Labs, hatte kürzlich einen von den Forschern als "Flame" bezeichneten Trojaner entdeckt, der dem massenhaften Auslesen sensibler Daten dient (gulli:News berichtete). Die Forscher von Kaspersky Labs halten Flame für eine äußerst ernst zu nehmende Bedrohung, während andere Experten - etwa die des Unternehmens Symantec oder des deutschen Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) - Flame als weniger kritisch einstufen. Vielfach wird von einer staatlichen Beteiligung an der Entwicklung Flames ausgegangen. Kaspersky teilte in seinem Vortrag nicht mit, welche Nation er verdächtigt, Flame programmiert zu haben. Grundsätzlich, so der Experte, hätten die USA, Großbritannien, Israel, China, Russland und womöglich auch Indien, Japan und Rumänien die technischen Möglichkeiten zur Entwicklung einer derartigen Schadsoftware. Sogar Länder, die keine entsprechenden Mittel hätten, könnten ähnliche Malware in Umlauf bringen: sie könnten "Ingenieure einstellen oder sie entführen, oder 'Hacktivisten' für sich arbeiten lassen," erklärte Kaspersky.

Um derartige Angriffe zu stoppen, forderte der Sicherheitsforscher eine internationale Kooperation ähnlich wie bei ABC-Waffen. Zudem müssten Betriebssysteme für kritische Infrastrukturen anders konstruiert werden. "Software, die Industrie-Systeme oder Transport-Netze oder das Stromnetz oder den Flugverkehr regelt, muss auf sicheren Betriebssystemen basieren. Vergesst Microsoft, Linux, Unix," betonte der Experte. Er spekulierte, dass womöglich weitere Malware wie Flame oder Stuxnet unentdeckt im Umlauf sei.

Eugene Kaspersky ist in der Branche für seine düsteren Zukunfts-Prognosen und seine Forderungen nach mehr staatlicher Kontrolle über IT-Infrastrukturen bekannt. Vor diesem Hintergrund werden wohl auch seine jüngsten Äußerungen bewertet werden. Dennoch ist es wohl unstrittig, dass Malware wie Stuxnet oder Flame die Verwundbarkeit wichtiger Infrastrukturen und die Abhängigkeit der heutigen Gesellschaft von der IT aufzeigt. 

Zuletzt aktualisiert am Uhr





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