
Fast ein Fünftel der Bearbeitungen auf der deutschsprachigen Wikipedia stammen von anonymen Nutzern. Nun hat die Online-Enzyklopädie eine IP-Sperre für zehntausende Österreicher eingeführt: Kunden des größten Internet Service Providers des Landes können bis Mitte Juni nicht weiterhin ohne Login auf Wikipedia zugreifen.
000 IP-Adressen gesperrt.
"Deine IP-Adresse befindet sich in einem Bereich der auf allen Wikis gesperrt ist." Diese Mitteilung haben in den letzten Tagen mehrere österreichische Leser von heise online erhalten, wenn sie an der Wikipedia oder verwandten Wikis mitarbeiten wollten, ohne sich einzuloggen (unscharf als "anonyme Edits" bezeichnet). Manchmal war ihnen ebenfalls noch das Einloggen unter Verweis auf ihre IP-Adresse nicht möglich. Dabei haben sie sich nichts zuschulden kommen lassen.
Solche und ähnliche Hinweise bekommen derzeit viele A1-Kunden von der Wikipedia.
Bild: Screenshot
Ein langjähriger Berliner Wikimedia-Aktivist (Klarname der Redaktion bekannt) & Wikipedia-Administrator hat am 12. März eine dreimonatige Sperre für die gesamte IP-Range 178․190․0.0/16 verhängt. Begründung: "longterm abuse" (langwährender Missbrauch). Der Admin zählt zu den Hundert fleißigsten Bearbeitern der deutschen Wikipedia und den überhaupt am häufigsten sperrenden Admins. Die konkrete Sperre trifft aber nicht einzelne User, allerdings bis zu 65․534 DSL-Anschlüsse von Österreichs größtem Telecom-Betreiber A1 (Telekom Austria) gleichzeitig. Weil diese IP-Adressen dynamisch vergeben werden ist die Zahl der potenziell Betroffenen deutlich höher.
Dafür ist aber auch die Abhilfe trivial: Privatkunden die ihre A1-DSL-Verbindung trennen und wieder aufbauen, bekommen zumindest beim zweiten oder dritten Versuch aller Wahrscheinlichkeit nach eine IP-Adresse aus einem anderen Bereich zugewiesen. Damit können sie wieder "anonym" editieren. Ihren offiziellen Zweck wird die Sperre also nicht erreichen, da sich mutwillige Wikipedia-Vandalen einfach eine andere IP-Adresse holen können.
Intransparent
Die Wikipedia-Richtlinien raten von der Sperre umfangreicher IP-Ranges ab, insbesondere wenn sie von einem ISP dynamisch genutzt werden. "Sie könnten Zehntausende oder sogar Millionen von Leuten blockieren die gar nicht das Problem sind!", heißt es in einer durch Fettdruck hervorgehobenen Warnung an die Administratoren.
Die Wikipedia führt eine Liste gesperrter IP-Ranges, worin die A1-IP-Adressen aber nicht aufscheinen. Heise online fragte deshalb den sperrenden Administrator und auch Wikimedia Deutschland · was der besondere Anlass für die umfangreiche Sperre ist · und warum sie nicht veröffentlicht wird. Der Administrator ist offenbar verreist. Von Wikimedia Deutschland sowie deren "Community" kam am Montag keine Antwort.
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