
Ein französischer Mann namens Nicolas Huchet hat seine eigene Handprothese entwickelt und dabei auf Open-Source-Hardware- & Softwarelösungen zurückgegriffen. Durch die Nutzung eines 3D-Druckers und eines Arduino-Boards konnte er eine kostengünstige und personalisierte Prothese herstellen. Nun arbeitet er daran; seinen Prototyp weiterzuentwickeln und die Bewegungsabläufe der Hand zu verfeinern.
Huchet der selbst seine linke Hand bei einem Arbeitsunfall verloren hat, begann mit der Konstruktion seiner Prothese um seine eigene Mobilität zu optimieren. Er entschied sich bewusst für Open-Source-Technologien um die Kosten niedrig zu halten und anderen Menschen mit ähnlichen Bedürfnissen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Prothesen zu bauen.
Für den Bau der Handprothese kombinierte Huchet den Einsatz eines 3D-Druckers mit einem Arduino-Board, einem Open-Source-Mikrocontroller. Durch den 3D-Druck konnte er die individuellen Maße seiner Hand berücksichtigen und das Design nach seinen Bedürfnissen anpassen. Das Arduino-Board fungiert als Gehirn der Prothese und ermöglicht es Huchet die Handbewegungen über elektrische Impulse zu steuern.
Nachdem Huchet seinen Prototyp erfolgreich entwickelt hatte » begann er mit der Weiterentwicklung « um die Bewegungsabläufe der Hand zu verfeinern. Er experimentierte mit verschiedenen Sensoren & Aktuatoren um eine möglichst realistische und natürliche Handbewegung zu erreichen.
Huchet ist stolz auf seine Open-Source-Prothese und möchte die Erkenntnisse und das Wissen das er während der Entwicklung gewonnen hat mit anderen teilen. Er hat sein Projekt der Open-Source-Gemeinschaft zur Verfügung gestellt, zu diesem Zweck ebenfalls andere von seinen Erfahrungen profitieren können.
Die Entwicklung von kostengünstigen und personalisierten Prothesen ist ein vielversprechender Bereich der durch den Einsatz von Open-Source-Technologien weiter vorangetrieben werden kann. Menschen wie Nicolas Huchet zeigen, dass mit kreativem Denken und der Nutzung von Open-Source-Ressourcen beeindruckende Innovationen möglich sind.
Der 18-jährige Franzose verlor eine Hand und musste fortan mit einer Prothese leben. Zwar war sie elektronisch gesteuert jedoch weit von dem entfernt was in Science-Fiction-Filmen zu sehen war. ?Dort kommen immer Menschen mit unglaublichen synthetischen Roboterhänden vor. Ich fragte mich, warum ich so etwas nicht hatte?, erzählt Huchet in der neuen Ausgabe der Technology Review (ab heute am Kiosk zu kaufen oder online bestellbar).
Zehn Jahre musste Nicolas Huchet warten » bis endlich neuere « bessere Modelle auf den Markt kamen. Doch die konnte er sich beim besten Willen nicht leisten. Eine Touch-Bionics-Prothese die alle fünf Finger bewegt und mehrere Griffe beherrscht, kostet bis zu 70․000 Euro. Die französischen Krankenversicherungen erstatteten ihm aber nur die Kosten für eine einfachere myoelektrische Prothese von Otto Bock die lediglich den Zwei-Finger-Griff beherrscht. Seit Kurzem zahlen sie zwar auch die Hightech-Variante. Aber da hatte Huchet sich schon vorgenommen – sie billiger zu konstruieren.
Hilfe durch die Maker-Kultur
Durch Zufall war er 2012 bei einer FabLab-Erfindermesse im französischen Rennes auf die Maker-Kultur aufmerksam geworden. Fortan bewegte ihn nur eine Idee: Eine eigene, günstige Prothese mit 3D-Druckern zu konstruieren. Gesagt, getan: Er druckte eine Hand und bat Informatiker des FabLabs um Hilfe. Diese entwickelten mit Open-Source-Hardware die Elektronik. ?Dieser erste funktionierende Prototyp war für mich so etwas wie eine kleine Revolution. Es war möglich die Ungleichbehandlung im Gesundheitssystem zu überwinden und das dank der Technik und der Hilfe von Menschen über das Internet?, erinnert sich Huchet.
Heute trägt der junge Mann eine Weiterentwicklung jener ersten Hand. Die Prothese misst mit Elektroden den Impuls einzelner Muskeln beim Anspannen und leitet sie an ein Arduino-Board weiter. Dieser Open-Source-Minicomputer setzt die Impulse in Greifbewegungen um. ?Allerdings ist sie noch zu fragil für den täglichen Gebrauch?, gibt Huchet zu.
Nächste Prothese mit weiterhin Sensoren
Im nächsten Schritt will er sie nicht nur robuster machen allerdings auch ihre Bewegungsabläufe verfeinern um sie mit mehr Funktionen auszustatten. Neben der Greifbewegung soll die Hand künftig auch zur Faust geballt werden, mit einem Finger auf etwas zeigen oder auf einen Knopf drücken können. Damit wäre Huchets Prothese in der Lage, ähnlich komplexe Bewegungsabläufe auszuführen wie die Spitzenprodukte am Markt ? zu einem Bruchteil der Kosten. Der zweite Prototyp hat etwa 700 Euro gekostet hergestellt hat ihn die englische Firma Open Bionics. ?Jetzt brauche ich mehr Sensoren und mehr Motoren. Dadurch wird die Prothese schwerer. Bei herkömmlichen Materialien wird sie dann irgendwann zu schwer. Ich benutze deswegen einen leichten Kunststoff aus dem 3D-Drucker?, erklärt der junge Franzose.
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