Künstler stellen Käufe aus Online-Schwarzmarkt aus

Künstler stellen Käufe aus Online-Schwarzmarkt aus
In einem Museum präsentieren zwei Schweizer Künstler ihre Einkäufe vom Darknet-Schwarzmarkt Agora. Die Waren wurden aber nicht von den Künstlern selbst gekauft, sondern von einem von ihnen geschriebenen Zufallsprogramm. Die bisherige Ausbeute beinhaltet unter anderem eine Baseballmütze für Spione, unversteuerte Zigaretten und jede Menge Drogen.

Auf dem Online-Schwarzmarkt Agora im Darknet gibt es fast alles zu kaufen: Waffen, Drogen, gefälschte Produkte, dubiose Dienstleistungen und allerhand Skurriles. Das Schweizer Künstlerkollektiv !Mediengruppe Bitnik hat nun eine Software geschrieben, die jede Woche zufällige Waren im Wert von 100 US-Dollar in Bitcoin bestellt. Die so bestellten Güter werden anschließend in der Ausstellung "The Darknet – from Memes to Onionland" in der Kunsthalle der Stadt St. Gallen präsentiert.

Hinter dem Projekt stecken die Künstler Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo. Die Früchte ihrer zufallsbasierten Shopping-Touren präsentieren die Künstler unter anderem auf ihrer Webseite. Neben diversen Drogen und gefälschten Markenprodukten fanden die Schweizer in ihrer Post unter anderem eine Baseballmütze mit versteckter Kamera und einen Feuerwehr-Generalschlüssel.

Drogen kaufen im Darknet? Kunst darf das

Weisskopf und Domagoj betonen, dass ihr Vorgehen mit einem Anwalt und der ausstellenden Kunsthalle abgesprochen und juristisch abgesichert sei. Laut einem Gutachten des Kunstrechtsexperten Bruno Glaus sei das Vorgehen der !Mediengruppe Bitnik grundsätzlich legal, da die bestellten Waren ausschließlich für die zeitlich begrenzte Ausstellung in einem künstlerischen Kontext verwendet werden.

Mit ihrer Aktion wollen die beiden Künstler auf die gesellschaftliche Bedeutung des Darknet hinweisen. Einerseits dient die Anonymität des Tor-Netzwerks Kriminellen als Umschlagplatz für illegale Waren und Dienstleistungen aller Art. Anderseits können Journalisten, Aktivisten und Bürger durch die Verschlüsselung des Netzwerks leichter kommunizieren und sich informieren, ohne unmittelbar Zensur und Verfolgung befürchten zu müssen: "Der Ruf [des Darknet, Red.] ist schlecht: Drogen, Waffen, Pornografie, geklaute Daten oder gefälschte Dokumente können darin erworben werden. Die Enthüllungen Edward Snowdens dürften diese einseitige Sichtweise aber verschoben haben. Das Darknet ist ein scheinbar machtfreier Raum, dessen Potenziale noch wenig bekannt und noch weniger genutzt sind." Durch die Spekulationen um die Integration eines Tor-Tools in den Mozilla-Browser wird erneut deutlich, dass das Darknet längst mehr ist als nur ein Tummelplatz für Verbrecher, IT-Freaks und Geheimdienste.

Insgesamt zwölf Mal wird die Software der !Mediengruppe bei zufälligen Darknet-Händlern einkaufen, ehe die St. Gallener Ausstellung am 11. Januar schließt. /cb

 

 

Bild-Quellen:
Flickr / David K

News Redaktion
am Donnerstag, 20.11.2014 16:29 Uhr

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