Terroristen fragen Personen-Daten von Kritikern per DMCA ab

Terroristen fragen Personen-Daten von Kritikern per DMCA ab
Wer sich auf YouTube anonym wähnt, liegt bekanntlich falsch ? doch nicht nur NSA und US-Tech-Konzerne bedienen sich. Wie nun bekannt wurde, nutzen Terroristen DMCA-Eingaben, um die persönlichen Daten von Islam-Kritikern abzufragen. Auch deutsche YouTube-Kanäle sind betroffen. Die Namen der Betreiber finden sich auf schwarzen Listen von Al Qaida.

Das "Content ID"-Verfahren von YouTube zur Durchsetzung von Urheberrechtsansprüchen ist erfahrungsgemäß sehr anfällig für Manipulation. Mal werden kritische Videos mit der Begründung, es sei geschütztes Material verwendet worden, gesperrt, mal ein unangenehmer Testbericht. Kommt es zu wiederholten Beschwerden, wird gleich der komplette Kanal dichtgemacht. Eingebrockt hat sich die Google-Tochter YouTube die Suppe selbst. Um Verträge mit der Musik- und Unterhaltungsindustrie abschließen zu können und den DMCA-Richtlinien zu entsprechen, entwickelte YouTube ein System, das Unternehmen, Privatpersonen und Organisationen ermöglicht, Videos auf der populären Plattform als Verletzung geschützten Materials zu markieren. Das System funktioniert automatisch. Sofern die Betroffenen keinen Widerspruch einlegen, erfolgt die Sperre. Der Haken an der Sache: Legt ein Kanal-Betreiber Widerspruch ein, werden dem Antragsteller automatisch die Kontaktdaten des Betroffenen übermittelt.

"Sorge jetzt schon dafür, dass dein Haus unter Polizeischutz gestellt wird"

Diesen Umstand haben nun offenbar auch Terroristen für sich entdeckt. Einem Bericht der FAZ zufolge, nutzen radikale Islamisten das System aus, um Kritiker mundtot zu machen und gar auf Abschusslisten zu führen. Als Beispiel nennt die FAZ den YouTube-Kanal Al Hayat, der auch Videos auf Deutsch veröffentlicht. Begleitet wird die Islam-kritischen Sendung von Frauenrechtlerin Sabatina James und dem zum Christentum konvertierten Barino Barsoum. Zwar arbeiten auch weitere Personen an dem Projekt mit, zeigen sich jedoch nicht öffentlich aus Angst vor Verfolgung.

Als am 25. September eine Mail der Copyright-Abteilung von YouTube bei der Redaktion des im arabischen Raum reichweitenstarken Fernseh-Senders eintrudelte, versuchte Al Hayat mit YouTube einen alternativen Weg zu finden, denn die Redaktion vermutete hinter dem Scheinnamen "FirstCrist, Copyright" dunkle Machenschaften, die mit Christus und Urheberrecht rein gar nichts zu tun haben. Doch YouTube hielt am "Content ID"-Verfahren fest und ließ den Kanal sperren, nachdem Al Hayat keine Gegendarstellung einreichte. Um das Programm weiter senden zu können, erklärte sich dem Bericht zufolge ein Mitarbeiter bereit, seine persönlichen Daten für den Prozess zur Verfügung zu stellen. Nur wenig später fanden sich Name und Anschrift auf Terror-Listen Al Qaidas wieder. Kaum via YouTube an die "Beschwerde-Partei" übermittelt, meldeten sich die Empfänger der Kontakt-Daten bei der Redaktion in einer Mail. Darin bedanken sich die Verfasser für die Informationen und kündigen die Veröffentlichung auf "Websites von Al Qaida und anderen europäischen Dschihadisten" an. "In deinem Sender beschimpfst du den Propheten des Islams und sagst, er sei ein Verrückter und ein Verbrecher. Pass auf deinen Kopf auf und sorge jetzt schon dafür, dass dein Haus unter Polizeischutz gestellt wird", soll es in der Mail geheißen haben. /hk

 

Bild-Quellen:
YouTube

News Redaktion
am Freitag, 07.11.2014 09:28 Uhr

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