
Gerade einmal alle sechs Tage trudelte eine entsprechende Anfrage bei Google ein. Mittlerweile hat sich das Bild jedoch drastisch gewandelt.
Zum ersten Mal sieht sich der Suchmaschinen-Gigant mit einer Million Löschanträge täglich konfrontiert. In der vergangenen Woche musste Google ganze 7,8 Millionen angeblich urheberrechtsverletzende URLs überprüfen und anschließend gegebenenfalls aus dem Index werfen, so dass die Seiten nicht länger in Googles Suchergebnissen gelistet werden. Allein im Vergleich zur vorherigen Woche ist das ein Anstieg von satten zehn Prozent.
Ein Blick auf die meldenden Organisationen, die seit der Schaffung von mehr Transparenz einsehbar sind, macht deutlich, woher der Wind weht. Firmen wie Fox Group Legal, Takedown Piracy LLC und DMCA Force, Anti-Piracy Protection und Piracy Stops Here LLC machen schon im Namen deutlich, womit sie ihre Brötchen verdienen. Innerhalb von nur wenigen Jahren ist aus dem Wunsch von Film-Studios und Musik-Labels, ihre Inhalte zu schützen, eine ganze Industrie erwachsen. Hunderte, wenn nicht gar tausende Unternehmen bieten die automatisierte Einreichung von DMCA-Löschanträgen als Dienstleistung an. Ein Blick auf den Transparenzbericht von Google zeigt die Ausmaße der Branche. So hat beispielsweise ein Unternehmen namens MarkMonitor AntiPiracy bereits 36 Millionen URLs als "zu löschen" angegeben, wobei natürlich eine Prüfung durch den Suchmaschinen-Konzern durchgeführt wird, bevor eine Löschung tatsächlich stattfindet.
Googles Suchmaschinen-Dienst verliert an Glaubwürdigkeit
Nichtsdestoweniger ist offensichtlich, dass Google schon seit langer, langer Zeit keine händische Begutachtung der Fälle mehr durchführen kann. Dafür ist die Flut an Löschanträgen schlicht zu gewaltig. Entsprechend werden Fragen nach Fehlerquoten laut. Und auch der Ruf von Google als umfassende Suchmaschine steht auf dem Spiel. Die Rechtsmaschinerie rückt dem Konzern dermaßen zu Leibe, wie zuletzt mit dem vom Europäischen Gerichtshof verabschiedeten "Recht auf Vergessen", dass kaum ein Suchergebnis noch als authentisch und umfangreich erachtet werden kann. Nehmen wir beispielsweise die Suche nach einer Person. Per default gibt Google in solchen Fällen schon den Hinweis aus, dass "einige Ergebnisse […] möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt" wurden. Probiert’s aus! Einfach mal den eigenen Namen googlen und ans Ende der Suchergebnisse scrollen.
In welche Richtung wird sich Googles Suchmaschine künftig also weiter entwickeln? Bisher geben alle Zeichen Anlass zur Sorge, scheint Google mit dem Content-ID-System für YouTube (und künftig Twitch.tv) und der automatisierten Verarbeitung von Löschanträgen doch dem Druck der Unterhaltungsbranche endgültig nachgegeben zu haben. Zu groß ist das Interesse Googles an Kooperationen mit eben jenen Unternehmen, um eigene Dienste - wie beispielsweise das kostenpflichtige YouTube-Abo Google Music Key – weltweit auf den Markt bringen zu können. /tb
Bild-Quellen:
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News Redaktion
am Donnerstag, 21.08.2014 17:50 Uhr
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