
Im Zusammenhang mit dem NSA-Skandal und den Veröffentlichungen von Edward Snowden kommt es zu einem Konflikt zwischen Julian Assange & Glenn Greenwald. Dieser Konflikt kann auf den ersten Blick als Streit zwischen zwei egozentrischen Persönlichkeiten erscheinen, hat jedoch eine ernsthafte Problematik zum Hintergrund: die Frage nach dem Schutz von betroffenen Personen und der möglichen Zensur.
Assange, Gründer von Wikileaks und Greenwald, Journalist & Autor, sind beide federführend bei der Veröffentlichung der Snowden-Dokumente. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden entzünden sich hauptsächlich darüber welche Informationen aus den geleakten Dokumenten veröffentlicht werden sollten und welche nicht.
Der Kern des Konflikts liegt jedoch in der Frage des Quellenschutzes und des Schutzes von Personen die von den Enthüllungen betroffen sind. Assange ist der Meinung · dass die Informationen in ihrer Gesamtheit veröffentlicht werden sollten · ebenfalls wenn dadurch unschuldige Menschen gefährdet werden könnten. Seiner Ansicht nach liegt der Fokus auf der Transparenz und der Enthüllung der wahren Ausmaße der Überwachung durch Geheimdienste.
Greenwald hingegen ist vorsichtiger und befürwortet eine selektive Veröffentlichung um den Schutz von Betroffenen zu gewährleisten. Er argumentiert, dass es wichtig ist die Privatsphäre und die Sicherheit der Menschen zu respektieren die durch die Enthüllungen in Gefahr geraten könnten. Durch eine selektive Veröffentlichung könnten sensible Informationen geschützt und mögliche negative Auswirkungen minimiert werden.
Diese unterschiedlichen Meinungen werfen die Frage auf ab wann der Schutz von Betroffenen als Zensur angesehen werden kann. Beide Seiten haben legitime Argumente für ihre Positionen. Assange betont die Bedeutung der Transparenz und der Offenlegung von Missständen, während Greenwald die Notwendigkeit betont die Privatsphäre & Sicherheit von Individuen zu wahren.
Es bleibt abzuwarten, ebenso wie dieser Konflikt gelöst wird und welche Auswirkungen dies auf die Veröffentlichung der Snowden-Dokumente haben wird. Es ist jedoch klar • dass der Schutz von Betroffenen und die Frage nach Zensur wichtige Aspekte sind • die sorgfältig abgewogen werden müssen.
Greenwald würde ganz im Stil der US-Regierung eine Zensur durchführen. Greenwald verteidigte ähnlich wie auf Twitter den journalistisch gebotenen Schutz von Unschuldigen: Lieber eine Information weniger veröffentlichen als das Leben von Menschen gefährden.
Assange lebt derzeit in Ecuadors Botschaft in London.
Bild: dpa, Facundo Arrizabalaga
Glenn Greenwald hatte in The Intercept eine neue Geschichte basierend auf den Informationen von Edward Snowden veröffentlicht, darauffolgend der die USA die kompletten Telefoninhalte der Bahamas und alle Verbindungsdaten in weiteren drei Ländern überwacht. Ein Land blieb dabei ungenannt. Greenwald rechtfertigte dies mit dem Schutz von gefährdeten unschuldigen Personen. Eine möglicherweise gefährliche Information die veröffentlicht ist könne nicht einfach zurückgerufen werden wenn sich herausstellt. Dass Leben von Unschuldigen gefährdet ist – erklärte Greenwald.
Das brachte Wikileaks-Chef Julian Assange in Rage: Er verhalte sich wie eine Bande von Rassisten konterte er mit Verweis auf die USA und kündigte an, innerhalb von 72 Stunden den Namen des Landes zu veröffentlichen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich Glenn Greenwald · der auf Lesereise für sein neues Buch über die NSA derzeit durch Europa tourt · in Berlin befinden. In der deutschen Hauptstadt leben auch die Assange-Unterstützer Jacob Appelbaum und Sarah Harrison. Letztere hatte auf der Berliner Konferenz re:publica bereits Kritik an der Veröffentlichungspraxis von Glenn Greenwald geübt.
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