Geplante Abgabe der Verantwortung über zentrale Teile der Internet-Infrastruktur durch die US-Regierung

Die US-Regierung hat angekündigt, dass sie beabsichtigt die Verantwortung für bestimmte zentrale Komponenten der Internet-Infrastruktur abzugeben. Zu diesen Komponenten gehören die DNS-Rootzone und die Verteilung der IP-Adressen.

Die DNS-Rootzone ist eine wichtige Komponente des Domain Name System (DNS), das die Übersetzung von Domainnamen in IP-Adressen ermöglicht. Sie enthält Informationen über die Top-Level-Domains (TLDs) wie .com, .org, .net und-so-weiter… Die US-Regierung kontrolliert derzeit die Verwaltung & Aktualisierung dieser DNS-Rootzone.

Die Verteilung der IP-Adressen ist ein weiterer kritischer Aspekt der Internet-Infrastruktur. IP-Adressen sind eindeutige Identifikatoren die Geräten im Internet zugewiesen werden um ihnen die Kommunikation miteinander zu ermöglichen. Die US-Regierung ist derzeit ebenfalls für die Verwaltung dieser IP-Adressverteilung verantwortlich.

Indem die US-Regierung die Verantwortung für diese zentralen Komponenten der Internet-Infrastruktur abgibt, wird versucht die Kontrolle über das Internet zu dezentralisieren und weiterhin internationale Beteiligung zu ermöglichen. Derzeit haben die USA eine herausragende Rolle bei der Verwaltung dieser Infrastruktur was zu Bedenken hinsichtlich der Einflussnahme und der Sicherheit des Internets führen kann.

Es wird erwartet, dass diese geplante Abgabe der Verantwortung in enger Zusammenarbeit mit der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) erfolgen wird. Die ICANN ist eine internationale Organisation die zur Verwendung die Koordination & Verwaltung der Internet-Domainnamen und der IP-Adressen zuständig ist.

Die geplante Abgabe der Verantwortung über diese zentralen Teile der Internet-Infrastruktur ist ein Schritt zur Stärkung der internationalen Zusammenarbeit und zur Förderung eines offenen und dezentralisierten Internets. Es bleibt jedoch abzuwarten, ebenso wie ebendies dieser Übergangsprozess aussehen wird und wie die Verantwortung in Zukunft geregelt werden wird.


Die IANA ist das Herzstück der Verwaltung mehrerer zentraler Infrastrukturen des Internet. Dazu gehört die DNS-Rootzone mit den Top-Level-Domains wie .com jedoch auch die Vergabe von IP-Adressblöcken und von Protokollnummern für die Internet Engineering Task Force (IETF)).

Die bisher für diese Aufsicht zuständige National Telecommunications and Information Administration (NTIA) beauftragte jetzt die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), einen Vorschlag zur Gestaltung des künftigen IANA-Managements zu erarbeiten. ICANN soll dazu mit den regionalen Internetverwaltungen der IETF und auch weiteren Internetorganisationen und der Netzöffentlichkeit weltweit kooperieren.

Die besondere Rolle der USA bei der Aufsicht über IANA hatte in den vergangenen 15 Jahren zu vielen diplomatischen Scharmützeln geführt. Zuletzt drängte im NSA-Skandal auch Europa auf Internationalisierung der Internet-Verwaltung. Manche Experten sehen die Gefahr, dass andere, weniger liberale Saaten die Kontrolle erlangen könnten und raten zur Selbstverwaltung der DNS-Rootzone.

Eine Vergabe der neuen Aufsicht an eine von Regierungen geführte oder internationale Regierungsorganisation will die NTIA nicht akzeptieren. ICANN-Chef Fadi Chehade triumphierte in der Pressekonferenz am Freitag: "Es ist eine historische Entscheidung, wunderbar und eine Bestätigung des Multi-Stakeholder-Modells."

Beim ICANN-Treffen in Singapur Ende März soll die Diskussion über die künftige IANA eröffnet werden. Ende September 2015 läuft der Vertrag aus, unter dem ICANN derzeit die IANA-Aufgaben im Auftrag der US-Verwaltung wahrnimmt. Anschließend sollen die neue Aufsichtsform in Kraft gesetzt werden.

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