
Zwar hat die Initiative zur Einführung neuer Domain-Endungen schon zehn Jahre auf dem Buckel, die Entscheidung zur tatsächlichen Einführung der ersten vier neuen Top-Level-Domains (TLD) fiel dann aber quasi über Nacht. "IANA, DoC und VeriSign haben nur einen Tag gebraucht, so etwas habe ich noch nie gesehen", sagte Werner Staub, Koordinator des Ständigen Sekretariats des Internet Council of Registrars. Mindestens 30 Tage wird es allerdings noch dauern, bis die neuen TLDs im Internet aufgerufen werden können. Diese Frist wird Markeninhabern eingeräumt, um Domains mit ihren Markennamen zu registrieren. Die vier neuen Domain-Endungen sind das arabische Wort für "Netz", die kyrillischen Worte für "online" und "site" und das chinesische Wort für "game(s)".
Anfang des vergangenen Jahres startete die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) das Bewerbungsverfahren für neue Top-Level-Domains. Unter den Einreichungen sind themen-, aktivitäts- und ortsbezogene TLDs wie .berlin, .car oder .music. Insgesamt wurden mehr als 1.400 neue TLDs über den komplizierten, langwierigen und teuren Prozess angemeldet, die nun schrittweise freigegeben werden sollen. Die ICANN hatte ob dieses unnötig aufwändigen Prozesses vielfach Kritik einstecken müssen. Deshalb wird hinter dem raschen Abnicken der vier neuen TLDs durch das US-Handelsministerium ein Signal für Reformen an die ICANN und beteiligte Organisationen vermutet, um künftig Anträge für neue TLDs schneller und unbürokratischer abwickeln zu können.
Bald tausende Domain-Endungen?
Eine schnellere Abwickelung ist aber bei Weitem nicht im Interesse aller. Viele Rechteinhaber fürchten um einen vielfach erhöhten Aufwand beim Schutz ihrer Markenrechte, sollten weitere Top-Level-Domains durchgewunken werden, wonach es derzeit aussieht. Die Perspektive, nun noch weitere 1.400 Domain-Endungen "überwachen" zu müssen, dürfte Markeninhabern Albträume und Rechtsanwälten Dollar-Zeichen in den Augen bescheren. Derzeit umfasst die Root Zone Database etwas mehr als 330 Top-Level-Domains wie .de, .ch, .info oder .edu. Dabei wird zwischen generischen (gTLD) und länderspezifischen (ccTLD) Domain-Endungen unterschieden.
In einer Pressemitteilung nannte die Vizepräsidentin der ICANN die Arbeit des Unternehmens "beispiellos". Das Zulassungsverfahren habe acht Jahre intensiver Vorbereitung bedurft. Im Verlauf der Aktion hätten 47 verschiedene Konsultationsprozesse stattgefunden und insgesamt seien über 2.400 Einträge bei der ICANN eingegangen.
Bild-Quellen:
newgtldsite.com
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