Anti-Piracy-Wahn im Internet führt zu kurioser Selbstzensur

Anti-Piracy-Wahn im Internet führt zu kurioser Selbstzensur
Der 1998 in den USA verabschiedete Digital Millennium Copyright Act (kurz: DMCA) treibt mitunter seltsame Blüten. So hat ein US-amerikanisches Filmvertriebs-Unternehmen kürzlich bei Google mehrere Beschwerden wegen Urheberrechtsverletzung eingereicht. Problem: Bei den angeblichen Urheberrechtsverletzern handelte es sich teilweise um Datenbanken und News-Webseiten. Auch die IMDb gehörte dazu.

Das Bestreben, der Piraterie im Internet einen Riegel vorzuschieben, richtet mitunter mehr Schaden an, als das es nützt. Ein schönes Beispiel dafür ist die auf TorrentFreak geschilderte Beschwerde des US-Unternehmens Magnolia Pictures, das ein breites Portfolio von Filmen aller Art vertreibt. Die Firma reichte beim Suchmaschinen-Riesen Google eine Beschwerde ein mit einer Liste von Webseiten, die angeblich die Urheberrechte der Filmlizenzinhaber verletzten. Ziel solcher Beschwerden, die sich auf den DMCA berufen und massenhaft bei Google eingehen, ist es, mutmaßliche "Piraten" aus dem Index der Suchmaschine zu löschen, so dass sie möglichst keiner mehr findet.

Ein Blick auf die lange Liste von Magnolia Pictures’ Beschwerde zeigt, welch unsinnige Beanstandungen mitunter abgeschickt werden. Darauf zu finden ist (neben allerlei Torrent- und Streaming-Portalen) unter anderem auch die Internet Movie Database (IMDb), die – natürlich – auch Filme von Magnolia Pictures im Index hatte. Stein des Anstoßes war die Detailseite zur Doku "Évocateur: The Morton Downey Jr. Movie". Außerdem mit von der Partie: Online-Newsartikel und Rezensionen über verschiedene Filme auf den Webseiten von The Week, Salon und Rotten Tomatoes. Kein Einzelfall. In einer Beschwerde von Magnolia Pictures an Google wenige Wochen zuvor fanden sich auf einer ähnlich langen Liste unter anderem ein Artikel des Magazins Hollywood Reporter und weitere Links, die mit Urheberrechtsverletzung beim besten Willen nichts zu tun haben. Von Selbstzensur kann in dem Zusammenhang daher gesprochen werden, weil es sich dabei im Grund um gewünschten Content handelt, der zur Steigerung des Bekanntheitsgrades der Filme beiträgt. PR eben, ob gut oder schlecht sei dahingestellt.

Keine detaillierte Prüfung aller Beschwerden möglich

Das wäre nun alles nicht weiter schlimm, wenn tatsächlich jede einzelne Beschwerde genau überprüft würde. Doch bei der Menge an Beschwerden ist das schlicht nicht möglich. Es gibt offenbar eine Art White-List mit bekannten Webseiten, die nicht aus dem Index geworfen werden, beispielsweise eben die IMDb. Aber gerade bei kleineren Online-Auftritten kann es leicht passieren, dass sie aufgrund einer unrechtmäßigen Beschwerde aus den Suchergebnissen entfernt werden.

Ein paar Zahlen, um die massiven Auswirkungen des DMCA auf die Suchmaschinen-Ergebnisse zu verdeutlichen: Im Zeitraum vom 23.bis zum 29. September sind bei Google DMCA-basierte Beschwerden von rund 5400 Rechteinhabern eingegangen, die insgesamt die Löschung von über 5,3 Millionen URLs aus dem Index der Suchmaschine forderten.

 

Bild-Quellen:
magpictures.com

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