Neue Netzsperren in Belgien: Disney, Netflix & Apple an der Spitze

Disney, Netflix & Apple treiben neue Piraten-Sperren in Belgien voran

Belgien setzt erneut auf große Netzsperren gegen Piraterie


In Belgien haben am heutigen Tag bestehende Netzsperren gegen illegale Webseiten erheblich an Umfang zugenommen. Die Maßnahmen gelten diesmal ausschließlich den Internetanbietern, DNS-Resolver bleiben unberührt, ebenso wie aus einem bislang unveröffentlichten Gerichtsbeschluss hervorgeht. Dieser Beschluss zeigt eine klare Strategie: Die Sperren sollen gezielt nur die Provider treffen.



Verantwortlich für die technischen Umsetzung ist eine spezielle Behörde


Die Umsetzung erfolgt durch die Abteilung zur Bekämpfung von Online-Rechtsverletzungen. Sie übernimmt die Prüfung gerichtlicher Anordnungen des Handelsgerichts in Brüssel und leitet daraus konkrete Sperranweisungen ab. Bereits im April 2025 hatte Belgien einen anderen Ansatz verfolgt:



Damals richtete sich die Netzsperre gegen illegale Sport-Streaming-Seiten. Neben den Internetprovidern mussten damsowie DNS-Resolver wie Google und Cloudflare die Anordnungen umsetzen. Diese reagierten jedoch mit erheblicher Kritik. Besonders drastisch äußerte sich Cisco mit seinem DNS-Dienst OpenDNS der vorsorglich in Belgien den Betrieb zeitweise komplett einstellte. Heute ist OpenDNS wieder aktiv – das Verfahren befindet sich in der Berufung.



Hollywood & große Rechteinhaber fordern weitere Sperren


Im Sommer 2025 gewann eine Gruppe von Buchverlagen eine gerichtliche Anordnung gegen Schattenbibliotheken. Ende November folgte eine weitere Verfügung – diesmal gegen den P2P-Indexer 1337x und ebenfalls die Streaming-Plattform Soap2day. Bemerkenswert ist die Beschränkung auf nur fünf große Internetanbieter. Diese sind Proximus, Telenet Orange Belgium DIGI Communications Belgium und Mobile Vikings. Die Strategie genau ähnlich wie den Vorgehensweisen in Deutschland um den Aufwand gering zu halten.



Wer steckt hinter den Sperrunterlagen?


Erst nach einer offiziellen Antwort der belgischen Regierung auf eine Transparenzanfrage vor Weihnachten wurde ersichtlich, wer die Initiative vorantreibt. Es handelt sich um eine Allianz der größten Filmstudios Europas. Mitglieder der Motion Picture Association – darunter Disney, Netflix, Sony, Paramount, Universal und Warner Bros. – sowie der Streaming-Dienst von Apple sind beteiligt.



Neue Strategie: automatische Sperrung von Marken & Klonen


Ein weiterer brisanter Punkt ist die Option, künftig alle auftauchenden Webseiten zu sperren die unter den gleichen Marken oder Namen operieren – ohne erneut vor Gericht zu ziehen. Dies gilt auch für Webseiten – die nur durch Klone und Nachfolger entstanden sind. Als Beispiel sind in der öffentlichen Sperrliste Domains wie 1337x, Fmovies, Soap2day, Sflix, FlixHQ, Papadustream, French-Stream, Coflix und Wiflix angegeben. Die genauen Marken der gesperrten Seiten bleiben geheim, allerdings anhand der Domains lassen sich die mutmaßlichen Zielobjekte gut ableiten.



DNS-Resolver & VPNs bleiben bisher außen vor


Interessant ist der Verzicht auf die Einbindung von DNS-Resolver-Diensten wie Google oder Cloudflare. Zwar ist unklar – ob dies auf rechtliche Gründe oder eine strategische Entscheidung zurückzuführen ist. Es könnte auch daran liegen, dass noch nicht viele Nutzer die Umgehung durch DNS-Resolver aktiv nutzen. Ebenso ist unklar, warum VPN-Anbieter bislang nicht in die Pflicht genommen wurden.



Ein enger Rahmen mit Signalwirkung


Die aktuelle Vorgehensweise der Rechteinhaber ist stark fokussiert. Statt eine breit angelegte Koalition zu bilden, setzen sie auf wenige große Provider. Die Entwicklung in Belgien könnte als Vorbild für andere Länder dienen – insbesondere die USA. Dort drängen die Studios auf gesetzliche Regelungen für Netzsperren, obwohl dabei noch unterschiedliche Gesetzesentwürfe zur Debatte stehen.






Kommentare

Die Beschlüsse in Belgien markieren eine strategische Verschiebung im Kampf gegen Online-Piraterie. Mit gezielten Sperren bei den größten Internetanbietern und der Option auf automatische Maßnahmen gegen Marken- und Klon-Webseiten setzen Rechteinhaber auf Effizienz. Wie sich diese Strategie in Zukunft ausarbeiten wird, bleibt abzuwarten – vor allem im internationalen Kontext.


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