
In Deutschland kommt es erneut zur Sperrung einer Webseite. Diesmal hat es Anna’s Archive getroffen. Diese Seite gilt als die größte Plattform für frei zugängliche Bücher, wissenschaftliche Arbeiten und Magazine. Telefónica (O2) hat den Zugriff bereits blockiert. Vodafone, Telekom und 1&1 werden in naher Zukunft folgen. Die Clearingstelle Urheberrecht im Internet (CUII) hat die Sperre veranlasst. Ein Zusammenschluss aus Rechteinhabern und Internetanbietern ist dafür verantwortlich. Doch stellt sich die Frage – bringt diese Maßnahme überhaupt etwas?
Was ist Anna’s Archive?
Um die Sinnlosigkeit der Sperre zu verstehen ist es wichtig zu wissen was Anna’s Archive ist. Diese Seite ist keine gewöhnliche „Piraterie-Seite“. Vielmehr handelt es sich um eine riesige Suchmaschine. Sie durchsucht die Bestände großer Schattenbibliotheken wie Z-Library, Sci-Hub und Library Genesis. Im November 2022 wurde das Projekt von einem anonymen Team gegründet. Der Anlass war die Beschlagnahmung von Z-Library durch US-Behörden. Das Ziel ist klar: Wissen der Welt sichern und für alle zugänglich machen.
Die Dimension des Projekts
Die immense Größe von Anna’s Archive ist überwältigend. Laut eigenen Angaben umfasst das Archiv über 53 Millionen Bücher und 37 Millionen wissenschaftliche Artikel. Die gesammelten Daten belaufen sich auf weiterhin als 1․000 Terabyte – also ein ganzes Petabyte an Wissen. Viele Quellen fließen in dieses gigantische Archiv ein. Dazu zählen direkte Uploads und Spiegelungen von Sci-Hub und ebenfalls riesige Datenmengen aus dem Internet Archive und der chinesischen DuXiu-Datenbank. Die Plattform ist besonders für Studierende und Forschende weltweit bedeutend. Eine einzelne wissenschaftliche Veröffentlichung kann oft 30 Euro oder mehr kosten. Mit dem Projekt SciDB springt Anna's Archive in die Bresche, während Sci-Hub das Hochladen neuer Aufsätze pausiert hat.
Die technische Unzulänglichkeit der Sperre
Die Umsetzung der Sperre ist technisch gesehen kaum ernst zu nehmen. Während die Kunden von Telefónica (O2) keinen Zugriff mehr auf die Seite haben, bleiben andere Anbieter wie Telekom, Vodafone und 1&1 nur wenige Tage hinterher. Gesperrt sind lediglich die Hauptdomains annas-archive.org, annas-archive.se und annas-archive.li. Die eigens für deutsche Nutzer eingerichtete Subdomain de.annas-archive.org ist allerdings noch frei zugänglich. Dies macht die ganze Aktion absurd und zeigt das mangelnde technische Verständnis der Verantwortlichen.
Ein wiederkehrendes Muster
Das Vorgehen der CUII ist nicht neu. Die Sperrung von Anna’s Archive reiht sich in eine lange Liste von Maßnahmen ein. Die CUII sperrte bereits im Dezember 2024 Library Genesis und im April 2024 Sci-Hub. Dies sind nicht die ersten Schattenbibliotheken die betroffen sind. Die Sperren werden kontinuierlich aktualisiert tauchen jedoch immer wieder in neuen Formen auf. Die Umgehung dieser Sperren ist für technisch versierte Nutzer ein Kinderspiel.
Internationale Maßnahmen gegen Anna’s Archive
Der Kampf gegen Anna’s Archive ist nicht auf Deutschland beschränkt. Bereits im Jahr 2024 wurde die Webseite in Italien blockiert. Auch in den Niederlanden gab es im März 2024 eine ähnliche Maßnahme. Die Domain annas-archive.gs wurde Anfang 2024 beschlagnahmt, allerdings die Betreiber fanden schnell neue Domains.
Die einfache Umgehung der Sperre
Die gute Nachricht ist, dass solche Sperren leicht umgangen werden können. Die CUII verwendet DNS-Sperren. Provider blockieren damit den Eintrag im „Telefonbuch“ des Internets. Doch Nutzer können dies einfach umgehen, indem sie einen unzensierten DNS-Server eingeben. Eine Anleitung dafür ist leicht zu finden.
Kommentare
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sperre von Anna’s Archive vor allem ein nutzloses Manöver ist. Rechteinhaber und Provider versuchen auf veraltete Weise das Internet zu kontrollieren. In wenigen Minuten lässt sich die Sperre umgehen oder die unbeachtete Subdomain nutzen. Letztlich zeigt diese Aktion: Der Versuch den Zugang zu Wissen im digitalen Zeitalter einzuschränken hat von Anfang an keine Zukunft.