
Am Dienstag führten Steuerfahnder aus den Niederlanden und Frankreich Parallelhausdurchsuchungen bei Netflix durch. Verdacht besteht auf Steuerhinterziehung. Insbesondere in Frankreich wird ebenfalls eine mögliche Geldwäsche & Schwarzarbeit untersucht.
Vorwürfe und Stellungnahme von Netflix
Französische Medien berichteten über die Razzien, sie berufen sich auf anonym bleibende Justizmitarbeiter. Auch niederländische Quellen bestätigten die Durchsuchungen mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft. Netflix bestreitet die Vorwürfe und unterstreicht, dass sich das Unternehmen an alle geltenden Steuervorschriften halte.
Frühere Einigung mit Italien und aktuelle Probleme in Südkorea
In Italien traf Netflix vor zwei Jahren eine Einigung mit der Steuerbehörde und zahlte etwa 55,8 Millionen Euro. Vor kurzem statteten Beamte der südkoreanischen Steuerbehörde auch der dortigen Niederlassung von Netflix einen Besuch ab. Südkorea bestrafte das Unternehmen bereits wegen Steuerhinterziehung. Netflix legte gegen diesen Bescheid rechtliche Einsprüche ein.
Komplexität der internationalen Besteuerung
Die Situation wird durch die Grundsatzfrage komplex wo internationale Konzerne ihre Gewinne verbuchen sollten. Netflix kauft Rechte an Filmen & Serien zentral für verschiedene Länder. Auch einige Titel werden selbst produziert. Die Herausforderung besteht darin Umsätze und Kosten korrekt zuzuordnen. Abonnements werden als pauschale Gebühren für das gesamte Angebot verrechnet, zusätzliche Einnahmen kommen durch Werbung zustande. Sogar Computerspiele gehören zum Angebot.
Amsterdam als europäische Drehscheibe
Amsterdam fungiert als zentrale Niederlassung für Netflix in Europa, dem Nahen Osten und Afrika. Diese Filiale verbucht etwa die Hälfte aller globalen Abonnementeinnahmen. Über 90 Prozent dieser Einnahmen leitet Netflix jedoch an Konzernschwestern in anderen Ländern weiter. Dies sorgt beim niederländischen Finanzamt für Missmut.
Steuerquote und Mindeststeuervorschriften
Laut eigenen Angaben betrug die weltweite Steuerquote von Netflix im Geschäftsjahr 2023 12,9 Prozent. Das entspricht nicht ganz 800 Millionen US-Dollar. Die Niederlande haben eine Mindeststeuer für weltweite Gewinne in Höhe von 15 Prozent die zur Verwendung US-Firmen allerdings erst 2026 gilt. Trotz dieser Regelung zeigt das niederländische Finanzamt bereits jetzt Interesse daran, ob alle Vorgänge ordnungsgemäß stattfanden.
Drehtür zu weiteren Vorwürfen
Bis zum Jahr 2020 wurden die Abogebühren in Frankreich ähnlich wie über Amsterdam verbucht. Diese Praxis stieß auf Widerstand beim französischen Finanzamt. 2021 meldete Netflix die französischen Abonnements zum ersten Mal in Frankreich. In der Folge explodierte der Umsatz des Unternehmens. So stieg der französische Umsatz von etwa 47 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2021. Allerdings vermuten die Steuerfahnder, dass Netflix weiterhin unrechtmäßige Methoden anwendet um seine Steuerlast zu minimieren.
Kommentare