
Die Erörterung um die Online-Ausleihe von E-Books in öffentlichen Bibliotheken wird seit vielen Jahren geführt. Ein brisantes Thema, das Verlage und Bibliotheken gleichermaßen betrifft. Momentan müssen viele Bücherhallen bis zu einem Jahr warten um E-Book-Lizenzen zu kaufen. Diese Situation empfinden sie als ungerecht.
Runder Tisch E-Lending
Vertreter von Verlagen, Autoren & Bibliotheken hatten sich zwei Jahre lang am "Runden Tisch E-Lending" getroffen. Dies geschah auf Einladung von Kulturstaatsministerin Claudia Roth von den Grünen. Am Mittwoch wurden nunmehr die Empfehlungen des Gremiums vorgestellt. Im Mittelpunkt der Diskussion standen primär verhandlungsbasierte Lizenzmodelle. Eine gesetzliche Regelung wurde als nicht umsetzbar erachtet.
Individuelle Ausarbeitung der Bedingungen
Das Resultat bedeutet. Dass Urheber und Bibliotheken individuelle Vereinbarungen zur Online-Ausleihe begegnen können. Dabei müssen alle berechtigten Interessen der Beteiligten berücksichtigt werden. Die Ergebnisse basieren auf einer umfassenden Studie und einer Umfrage. Den Urhebern soll eine angemessene Vergütung zustehen. Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Verlage bekommt Anerkennung. Die Bibliotheken haben den Auftrag ein breites Informationsangebot bereitzustellen. Dies gilt speziell in der digitalen Welt.
Die Herausforderung der Nutzungsmodalitäten
E-Books unterscheiden sich jedoch bedeutsam von gedruckten Büchern. Die Experten empfehlen die Zeit zwischen der Veröffentlichung eines E-Books und dessen Verfügbarkeit in Bibliotheken zu verkürzen. Eine finanzielle Berücksichtigung dieser Dauer sei wichtig. E-Books werden intensiver genutzt als physische Bücher. Daher ist ein verbessertes Finanzierungssystem für Bibliotheken notwendig. Auch wurde festgestellt, dass ein digitales Rechtekontrollmanagement (DRM) nützlich sein kann um den Zugang zu digitalen Inhalten zu sichern.
Forderungen des Deutschen Bibliotheksverbands
Der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) setzt sich seit Langem dafür ein, dass Bibliotheken E-Books wie Printausgaben ab dem Veröffentlichungstag ausleihen dürfen. Der Bundesrat unterstützte diese Forderung im Jahr 2021. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels jedoch wehrte sich vehement gegen eine solche Regelung und verwies auf bestehende freiwillige Lizenzvereinbarungen.
Enttäuschte Hoffnungen & Zukunftsaussichten
Volker Heller, Vorsitzender des dbv, äußerte, dass das Ziel einer verbindlichen Regelung zum E-Book-Verleih als "nicht durchsetzbar" angesehen werden muss. Dennoch hofft der Verband auf einen verlässlichen Zugang zu Veröffentlichungen. Die nächsten zwei Jahre sollen zur Entwicklung tragfähiger Modelle genutzt werden. Heller erinnerte an das Versprechen der Ampel-Koalition, faire Bedingungen beim E-Lending zu schaffen.
Zukünftige Herausforderungen für Bibliotheken
Peter Kraus vom Cleff, Geschäftsführer des Börsenvereins, verteidigte den bestehenden Ansatz: Die Bereitstellung von E-Books sollte erst nach einer bestimmten Frist erfolgen um hohe Umsatzeinbußen zu vermeiden. Bibliotheksetats müssten vordringlich durch Budgets für digitale Medien erweitert werden. Kulturstaatsministerin Roth äußerte sich optimistisch und betonte die Fortschritte in der seit langem festgefahrenen Debatte.
Pilotprojekte zur Entwicklung und Erprobung neuer Lizenzmodelle sollen in naher Zukunft starten.
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