Piracy Shield 2.0: Steuerzahler wird belastet

Piracy Shield 2.0: Steuerzahler soll dafür aufkommen

Wenn alles nach Plan läuft in Italien, stellt die AGCOM das derzeitige IPTV-Blockierungssystem, bekannt als Piracy Shield, Ende des Jahres ein. Die neue Version namens Piracy Shield 2․0 – hochgelobt als das effizienteste Anti-Piraterie-System weltweit – soll dann zum Einsatz kommen. Zuschauen – ohne zu zahlen – das will das neue System unterbinden. Doch die jährlich anfallenden Kosten von zwei Millionen Euro für das erste Jahr werden die italienischen Steuerzahler schultern müssen.



IPTV-Piraten: Schuld an Einnahmeverlusten


Trotz hoher Ausgaben der führenden italienischen Fußballvereine – geben diese an. Dass IPTV-/Streaming-Piraterie ihnen jährlich rund 330 Millionen Euro Einnahmeverluste beschert. Besonders belastet werden hier die italienischen Fußballfans die sich „Pezzotto“ – illegale TV-Pirateriegeräte – zulegen.



Gesetzgebung gegen Piraterie


Die Regierung in Rom erließ eine neue Gesetzgebung die das bisherige IPTV-Blockierungssystem Piracy Shield unterstützen soll. Ziel: Die Fans zu legalen, wenn ebenfalls teureren Abonnementpaketen zurückzubringen. Dadurch will man das jährlich behauptete Defizit von 330 Millionen Euro durch Piraterie auf ein akzeptables Niveau reduzieren.



Sinn für Steuerzahler fraglich


Eine kürzlich abgeschaffte Regelung – bei der ausländische Talente durch Steuervergünstigungen nach Italien gelockt wurden – kostete Italien jährlich über 670 Millionen Euro. Diese Zahl stellte die New York Times im vergangenen Dezember dar und um sie ins rechte Licht zu rücken: Das ist weiterhin als das Doppelte jenes Betrages, den die Serie A nach eigenen Angaben durch Raubkopierung verliert. Darüber hinaus – darf nicht vergessen werden – gibt es erhebliche Differenzen in der Legalität dieser Aktivitäten.



Piracy Shield 2․0: Ein neues Kapitel


Mehrmals führte das derzeitige Piracy Shield zu Systemausfällen. Wenn alles glatt läuft, tritt Piracy Shield 2․0 an dessen Stelle und sollen Ende des Jahres aktiviert werden, berichtet La Repubblica hinter einer Paywall.



AGCOM behält die Aufsicht über das neue System, welches vorerst vor allem auf den Schutz von Live-Sportübertragungen fokussiert ist. Filme könnten später hinzukommen und damit weitere Rechteinhaber einbezogen werden. Das Potential: Ein bedeutender Anstieg an gesperrten Inhalten, da viele IPTV-Dienste sowie Sport als auch Filme anbieten.



Kosten und Finanzierung


Zwei Millionen Euro pro Jahr soll der Betrieb des neuen Systems kosten. Die Mittel werden für die „Stärkung und Wartung“ des Piracy Shield 2․0 verwendet – und Cloud-Vereinbarungen mit Amazon und Microsoft spielen eine Rolle. Auch ein nicht genannter Betrag subventioniert Internetanbieter. Zwei Drittel der Kosten könnten gedeckt werden während der Rest durch Unternehmensgewinne oder weitergegeben an die Internetnutzer finanziert wird.



Nutznießer bleiben verschont


Die Hauptnutznießer – Fußballvereine und Pay-TV-Anbieter – tragen keine Betriebskosten für Piracy Shield 2․0. Die Finanzierung erfolgt größtenteils durch Steuermittel. Einkommenssteuer stellt die größte Einnahmequelle. Unternehmen zahlen hingegen 4% der Gesamteinnahmen an den Staat.



Laut La Repubblica wird Piracy Shield die Stabilität des Fußballgeschäfts auch sichern. Damit Empfang zum Lohn – DAZN, Sky und Co. hoffen auf mehr Abonnenten. Ist die Gewinnschwelle erreicht, so DAZN – die Gewinne werden mit der nationalen Fußballliga (Lega Calcio) und den Vereinen geteilt.






Kommentare

: Profite um jeden Preis?
Für den Geldfluss für ein gesundes Fußball-Ökosystem muss gesorgt werden, allerdings ist der Steuerzahler der richtige Zahler? Nur wenige Bürger tragen zur Problematik bei, profitieren jedoch nicht von den Anti-Piraterie-Maßnahmen. Diese Sachlage wirft Fragen auf. Der Torrentfreak-Blog P2P beleuchtete die finanziellen Aspekte dieser Initiative genauer.


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