Abschied von einer Koryphäe: Ross Anderson

Nachruf: Security-Legende Ross Anderson verstorben

Ein Leben für die Sicherheit im Cyberspace


Ross John Anderson, eine prägende Figur in der Welt der Computersicherheit, verließ uns am Donnerstag. Er wurde gerade einmal 67 Jahre alt. Der Kampf für digitale Freiheiten hatte erst kurz vorher, im November 2023, einen Triumph gegen die EU-Chatkontroll-Pläne erlebt. Ein Triumph, der Ross jedoch nicht lange erfreuen sollte.



Geboren in Wallasey, Cheshire, 1956, wuchs Ross in einer Familie auf, die Wissenschaft und Bildung schätzte. Mit sechs Jahren zog er mit seiner Familie nach Schottland. Dort begann er bereits in jungen Jahren, sich für Programmierung und Mathematik zu interessieren. Ursprünglich zog es ihn zur Medizin, doch die Begegnung mit der Mathematik veränderte seine Richtung.



Er verfolgte sein neues Ziel mit Leidenschaft am Trinity College in Cambridge, unterbrochen nur von einem Jahr, in dem er sich dem Hardcore-Programmieren widmete. Der Zufall führte ihn in die Welt der Verschlüsselungstechnologien, wo er zusammen mit einem Bekannten die Ciphernet-Software entwickelte. Seine akademische Reise setzte er fort, indem er 1995 mit einer Arbeit über "Robust Computer Security" promovierte. Diese Arbeit katapultierte ihn ins Zentrum der Debatte um Kryptographie in Europa.



Kämpfer im Krypto-Krieg


Berühmt wurde Anderson unter anderem durch seinen Einsatz im Krypto-Krieg der 90er Jahre und seine Warnungen vor staatlicher Überwachung. Ob es sich um die Auseinandersetzung mit dem Clipper-Chip in den USA oder den Pluto-Chip in Deutschland handelte, stets war Ross Anderson an vorderster Front dabei. Er vertrat die Meinung, dass Sicherheit und Privatsphäre Hand in Hand gehen müssen.



Ein weiterer Bereich, in dem Anderson eine Pionierrolle spielte, war die Idee eines Peer-to-Peer-Systems, das später als Vorläufer sozialer Medien angesehen werden konnte. Seine Visionen und Forschungen führten zu bedeutenden Beiträgen, wie dem "Eternity Service".



Das Vermächtnis von Ross Anderson


Sein Buch "Security Engineering", seit 2001 in mehreren Auflagen erschienen, gilt als Bibel für Sicherheitsexperten weltweit. Auch wenn Ross Anderson uns verlassen hat, seine Beiträge und sein Standardwerk bleiben. Seine letzte öffentliche Rede hielt er 2023 bei der RuhrSec in Deutschland, wo er vor den neuen Wellen des Krypto-Kriegs warnte.



Im September desselben Jahres musste Anderson seine akademische Laufbahn beenden, da er die Altersgrenze erreicht hatte. Sein Engagement und sein Streben nach Wissen endeten jedoch nicht mit diesem Schritt. Ross Anderson hinterlässt eine Lücke in der Welt der Cybersecurity, die schwer zu füllen sein wird. Sein Werk und sein Einfluss werden jedoch weiterhin nachwirken.






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