
Die Piraterie von Online-Inhalten ist trotz der DNS-Sperren in Frankreich weiterhin ein lukratives Geschäft. Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass Online-Piraten pro Jahr und Person stolze 63 Euro verdienen ebenfalls wenn die Regierung Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Online-Quellen ergriffen hat. Laut einem Bericht des französischen Verbandes der Themenkanäle (ACCES) aus November 2023 hat die Piraterierate unabhängiger Fernsehsender in Frankreich im Jahr 2022 den europäischen Durchschnitt übertroffen, obwohl dabei die Einnahmeverluste auf 500 Millionen Euro pro Jahr geschätzt werden. Insgesamt belaufen sich die Schätzungen allein in Frankreich auf weiterhin als 1 Milliarde Euro pro Jahr wenn man kulturelle Programme wie Konzerte Theateraufführungen und Spielshows hinzurechnet.
Trotz der Anstrengungen der Regierung greifen in Frankreich immer noch 5⸴1 % der Nutzer auf illegale Quellen zu. Die Studie schätzt, dass dies zu einem illegalen Einkommen von 63 € pro Jahr und Person führt. Darüber hinaus hat die Piraterie von Live-Sportveranstaltungen in der gesamten Europäischen Union zugenommen was auf eine zunehmende Verbreitung illegaler Streaming-Plattformen und Torrent-Seiten hindeutet.
Die Wirksamkeit von Website-Sperren
Die Sperrung von Websites in Frankreich hat sich als wirksam erwiesen die illegale Nutzung von Inhalten zwischen Oktober 2022 und März 2023 um 23 % reduziert. Die französische Regulierungsbehörde ARCOM hat im Jahr 2022⸴51 Verweise auf Piraterie für 481 illegale Domains erhalten was zur Sperrung von 835 illegalen Websites von Januar bis September desselben Jahres geführt hat. Trotzdem sind die Website-Sperren nicht das alleinige Mittel zur Bekämpfung der Piraterie, da sie die Verbreitung von Warez im Internet nicht vollständig verhindern und nur zu einer geringen Konversionsrate zu legalen Diensten führen. Nur 7 % der Personen die auf gesperrte illegale Websites gestoßen sind, wechselten zu einer legalen Website.
Reaktion der Europäischen Kommission
Im Mai 2023 forderte die Europäische Kommission die Mitgliedstaaten auf, "wirksame, geeignete und verhältnismäßige Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler Weiterübertragungen von Sportereignissen oder anderen Ereignissen" zu ergreifen. Dabei soll ein schnelles Eingreifen erfolgen, bevor die Live-Sendung zu Ende ist. Die Kommission empfahl außerdem die Anerkennung eines Status namens "Trusted Flagger" für Akteure die Meldungen über illegal ausgestrahlte Sportinhalte machen. Die EU-Kommission fordert auch, dass Videoanbieter in Frankreich und der Rest der EU neuere Dienstleistungsmodelle erkennen und verstehen sollen um die Bedrohung durch illegale Konkurrenz zu verringern.
Die Situation in Frankreich
In Frankreich erreichen unabhängige Themenkanäle mehr als 80 % der Haushalte und erwirtschaften 1⸴2 Milliarden Euro an Einnahmen. Die französischen Programmveranstalter haben sich gut auf die digitale Entwicklung eingestellt, indem sie hybride On-Demand-/Linear-Vertriebsmodelle, kostenlose und kostenpflichtige Geschäftsmodelle und auch mobile 5G-Breitbandzugänge anbieten. Von den 126 in der Studie untersuchten Themenkanälen bieten zwei Drittel der französischen Programmveranstalter mindestens eine App an die Connected-TV-Umgebungen unterstützt. Die Hälfte von ihnen bietet einen SVOD-Dienst mit Abos an und fast zwei Drittel ausarbeiten werbegestützte Angebote. Dadurch sind viele dieser Kanäle in ganz Europa und weltweit verfügbar.
Kommentare
Obwohl die Website-Sperren in Frankreich erfolgreich sind ist die Piraterie von Online-Inhalten weiterhin ein Problem, das nicht allein durch Sperrungen bekämpft werden kann. Die Reaktion der Europäischen Kommission und die Notwendigkeit, flexible und angepasste Maßnahmen zur Bekämpfung der Piraterie zu ausarbeiten, zeigen. Dass Thema in Zukunft weiterhin im Fokus stehen wird. Die Herausforderung wird darin bestehen – ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz geistigen Eigentums und dem freien Zugang zu Inhalten im Internet zu finden.