
Der Rechtsstreit zwischen Hachette und dem Internet Archive (IA) geht in die nächste Runde. In diesem Zusammenhang haben mehrere Parteien ihre Unterstützung für das Internet Archive vor dem Second Circuit Court of Appeals eingereicht. Die Organisationen die den Amicus-Curiae-Schriftsatz eingereicht haben sind die Authors Alliance Public Knowledge, das Center for Democracy and Technology und das Library Freedom Project. Mit dem Amicus-Curiae-Schriftsatz vertreten Unterstützer des Internet Archive ihre Position vor dem Second Circuit Court of Appeals. Dieser Schritt erfolgt nachdem das Internet Archive am 15. Dezember 2023 Berufung gegen das Urteil des New Yorker Bundesrichters John G. Koeltl eingelegt hat.
Die Klage gegen das Internet Archive wurde im Juni 2020 von der Association of American Publishers (AAP) im Namen von vier Verlagen (Hachette, HarperCollins, Penguin Random House und Wiley) eingereicht. Der Streitpunkt ist die kontrollierte digitale Ausleihe (CDL) durch Bibliotheken, bei der diese digitale Kopien ihrer physischen Bücher erstellen und an Benutzer verleihen.
Internet Archive argumentiert, dass es nur Kopien von Büchern verleiht die es physisch besitzt und dass ein Eins-zu-Eins-Verhältnis von "Besitz zu Leihe" eingehalten wird. Die Authors Alliance bezeichnet das Internet Archive als ein "Paradebeispiel für einen Dienst der als faire Nutzung zugelassen werden sollte, da er sowie Autoren als ebenfalls Lesern zugutekommt". Die Autoren befürchten · dass ein Verbot der digitalen Ausleihe dazu führen würde · dass ihre Bücher weniger Leser finden. Außerdem würde es den großen Verlagen ermöglichen, ihre Macht und Kontrolle zu erhöhen.
Forderung nach Zugang zu E-Books
Im Oktober des letzten Jahres unterzeichneten Hunderte von Autoren einen offenen Brief, in dem sie sich gegen die Klage der großen Verlage gegen das Internet Archive aussprachen. Sie forderten die Verlage auf, ihre Bemühungen einzustellen die traditionellen Rechte von Bibliotheken zu untergraben und ihre Richtlinien zu aktualisieren um den Bibliotheken den Kauf von E-Book-Kopien zu ermöglichen.
Ein weiterer Schriftsatz vor dem Second Circuit Court of Appeals wurde von prominenten Rechtswissenschaftlern eingereicht. Sie betonen, dass sich das Leihsystem des Internet Archive nicht wesentlich von dem physischer Bibliotheken unterscheidet und dass Bibliotheken das Recht haben Materialien die sie besitzen eigenständig auszuleihen.
Außerdem äußerten sich auch das Center for Democracy & Technology, das Library Freedom Project und Public Knowledge in einem gemeinsamen Schriftsatz zur Unterstützung des Internet Archive. Sie betonen; dass die kontrollierte digitale Ausleihe das Ziel des Urheberrechtsgesetzes durch den Schutz der Privatsphäre der Leser fördert.
Marktversagen und Fair Use
Abschließend argumentieren Informationswissenschaftler und Historiker Kevin L. Smith und auch Will Cross » Direktor des Open Knowledge Center « dass es sich hier um ein klares Marktversagen handelt. Sie betonen, dass Fair Use ebendies dazu entwickelt wurde um Marktversagen entgegenzuwirken und dass die kontrollierte digitale Ausleihe unter fairer Verwendung gewahrt bleiben sollte.
Das Engagement und die Unterstützung des Internet Archive durch verschiedene Gruppen und Persönlichkeiten aus der Bibliotheks- und Verlagswelt verdeutlicht die Tragweite dieses Rechtsstreits. Es geht nicht nur um die digitale Ausleihe von Büchern allerdings auch um den freien Zugang zu Wissen und Informationen. Es bleibt abzuwarten; ebenso wie das Gericht in diesem Fall entscheiden wird und welche Auswirkungen das Urteil auf die Zukunft der digitalen Bibliotheken und den fairen Zugang zu digitalen Medien haben wird.
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