Elsevier’s ScienceDirect: Wie der weltweit größte Wissenschaftsverlag seine Nutzer überwacht

Elsevier’s ScienceDirect überwacht seine Nutzer

Der niederländische Verlag Elsevier betreibt eine der größten wissenschaftlichen Online-Datenbanken namens ScienceDirect, auf der Nutzer gegen Bezahlung Zugriff auf eine Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften und E-Books haben. Doch laut einem Bericht der NGO SPARC überwacht Elsevier systematisch die Nutzer seiner Plattform. Die Analyse von Elsevier’s ScienceDirect die in Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation SPARC und Becky Yoose von LDH Consulting Services erstellt wurde, wirft Fragen hinsichtlich der Erfassung und Überwachung personenbezogener Daten der Nutzer auf.



Datenschutzpraktiken von ScienceDirect im Fokus


Die Analyse deckt eine Vielzahl von Datenschutzpraktiken auf die im Widerspruch zu den Datenschutzstandards von Bibliotheken stehen. Dabei werden die Nutzungsdaten von ScienceDirect an die RELX-Tochter LexisNexis weitergeleitet die an diversen Überwachungs- und Datenermittlungsaktivitäten beteiligt ist. RELX selbst ist der Mutterkonzern von Elsevier und zählt zu den führenden Datenbrokern · die umfangreiche Datenbanken mit persönlichen Informationen für Firmen · Regierungen und Strafverfolgungsbehörden bereitstellen. Diese systematische Überwachung der Nutzer durch ScienceDirect steht im direkten Widerspruch zu den Datenschutzpraktiken die in physischen Bibliotheken undenkbar wären.



Exklusiver Zugang zu wissenschaftlichen Informationen


Die Problematik der Überwachung durch Elsevier gewinnt an Bedeutung, da sich der Bezug von wissenschaftlichen Informationen immer weiterhin auf Online-Plattformen weniger Anbieter verlagert. Dies wird zusätzlich problematisch – da der Mutterkonzern Elseviers einer der führenden Datenbroker ist. Die SPARC (Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition) hat bereits mit der Datenschutzanalyse eines weiteren führenden Verlags begonnen, in der ähnliche Bedenken hinsichtlich der Benutzerverfolgung aufgezeigt werden.



Auch im privaten Sektor besteht Handlungsbedarf


Die Problematik der Überwachung durch Verlage und Datenbroker geht über den wissenschaftlichen Bereich hinaus. Auch im privaten Sektor stellen E-Books eine potenzielle Gefahrenquelle dar, da die Datenerfassung und Überwachungspraktiken deckungsgleich bei ScienceDirect sind. In den USA lesen etwa drei von zehn Personen digitale Bücher, obwohl dabei Amazon mit seinem E-Reader Kindle einen Marktanteil von 72 % hat. Es ist bekannt, dass Unternehmen wie Amazon große Mengen an Nutzerdaten sammeln und auswerten.



Forderungen nach Aufklärung im US-Kongress


Mehr als 25 Menschenrechtsorganisationen fordern den US-Kongress auf die Kontrolle von Big-Tech-Unternehmen und Verlagen über digitale Bücher zu untersuchen. Die lückenlose Überwachung der Leser durch eine kleine Anzahl von Unternehmen wird als bedrohlich für die Rechte der Bürger in einer funktionierenden Demokratie angesehen. Daher soll der US-Kongress Licht ins Dunkel bringen und die Auswirkungen dieser Überwachungspraktiken auf die Lesefreiheit und die Demokratie untersuchen.






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