EU-Abgeordnete wollen Streaming-Markt regulieren

Gegen bezahlte Play-Listen: EU-Abgeordnete wollen Streaming-Markt regulieren

Ein faires und nachhaltiges Umfeld für Musik-Streaming, das die kulturelle Vielfalt fördert und Ungleichgewichte beseitigt, fordert der Kulturausschuss des EU-Parlaments. Die meisten Künstler erzielen derzeit nur geringe Einnahmen, daher müssen die derzeit geltenden Vergütungsstandards überarbeitet werden. Bezüglich des Einzugs von Payola-Systemen verurteilen die Abgeordneten die Verwendung bezahlter Play-Listen als modernes Äquivalent zur Bestechung von DJs und Programm-Redakteuren im Rundfunk. Dabei werden Urheber dazu gezwungen, geringere Einnahmen für mehr Sichtbarkeit zu akzeptieren.



Der Musikmarkt wird bereits seit acht Jahren von Streaming-Plattformen dominiert und wächst stetig. Bisher gibt es jedoch keine EU-Vorschriften zur Regulierung des Sektors. Die Situation wird durch den Rückgang des Gesamtwerts von Musikproduktionen verschärft, wobei die Einnahmen bei großen Labels und den bekanntesten Künstlern konzentriert sind. Weitere Missstände sind die Zunahme von mit Künstlicher Intelligenz generierten Inhalten, Streaming-Betrug durch Bots und Manipulationen sowie die illegale Nutzung von Musikinhalten durch Plattformen.



Um für mehr Transparenz zu sorgen, fordern die Abgeordneten von der EU-Kommission einen Gesetzentwurf, der Online-Portale wie Spotify, Deezer, Apple oder YouTube dazu verpflichtet, ihre Algorithmen und Empfehlungswerkzeuge offenzulegen. Die Betreiber müssen sicherstellen, dass europäische Werke sichtbar und zugänglich sind. Dafür ist ein Diversitätsindikator notwendig, um die Vielfalt der verfügbaren Genres und Sprachen sowie die Präsenz unabhängiger Künstler zu bewerten. Darüber hinaus sollen Streaming-Plattformen verpflichtet werden, Rechteinhaber durch die Zuordnung von Metadaten zu identifizieren, um die Entdeckung ihrer Werke zu erleichtern und Streaming-Betrug zu verhindern. Werke, die ausschließlich mit KI erzeugt wurden, müssen gekennzeichnet werden. Außerdem wird appelliert, mehr in europäische Musik sowie lokale Interpreten und Nischenkünstler zu investieren, um ein vielfältigeres Repertoire anzubieten und die Werkschöpfer bei der digitalen Transformation ihrer Geschäftsmodelle zu unterstützen.



Die Initiative wird von Ibán García Del Blanco, dem Berichterstatter der Entschließung, begründet. Laut Del Blanco erhalten die meisten Autoren und Interpreten keine Vergütung, die ihnen ein angemessenes Einkommen ermöglicht. Es sei daher entscheidend, die Rolle der Urheber im Musiksektor anzuerkennen und das Umsatzverteilungsmodell der Streaming-Dienste zu überprüfen. Ein solcher Ansatz wird auch den Musikmarkt und die damit verbundenen Institutionen voranbringen.



Die Musikindustrie selbst geht bereits gegen Streaming-Manipulationsdienste vor. Um die Einnahmen gerechter unter den Künstlern aufzuteilen, haben Stars wie Helene Fischer, Marius Müller-Westernhagen, Sarah Connor, Herbert Grönemeyer und Peter Maffay 2020 eine Initiative gestartet. Die Allianz setzt sich dafür ein, die übliche anteilige Abrechnung durch ein nutzungsbasiertes System zu ersetzen, bei dem die Anzahl der Hörer entscheidend ist.






Kommentare


Anzeige