Das Zeitalter der Ammoniak-Schiffsantriebe steht bevor

Das Zeitalter der Ammoniak-Schiffsantriebe steht bevor

Die Schifffahrtsindustrie befindet sich in einer dringenden Suche nach Möglichkeiten, ihre Kohlendioxid-Emissionen zu senken. Eine vielversprechende Lösung ist die Verwendung von Ammoniak als alternativem Kraftstoff der CO-frei verbrennt. Der Schweizer Marine-Motorenhersteller WinGD hat bekannt gegeben, dass er seine ersten ammoniakbetriebenen Schiffsmotoren ausliefern wird. Der erste Motor wird für einen Flüssiggas- und Ammoniak-Tanker von Exmar LPG BV produziert, einem Joint Venture zwischen der belgischen Schiffsmanagementgesellschaft Exmar & Seapeak, einer Reederei die sich auf den Gastransport spezialisiert hat. Das Schiff wird 2025 in der südkoreanischen Werft Hyundai Mipo Dockyard gebaut und soll 2026 den Betrieb aufnehmen. Dieser Auftrag zeigt den wachsenden Wettbewerb auf dem Markt für ammoniakbetriebene Schiffe. Auch der deutsche Motorenhersteller MAN Energy Solutions plant, bereits 2024 einen kommerziell verfügbaren Zweitakt-Ammoniakmotor auf den Markt zu bringen und ab 2025 ein Umrüstpaket anzubieten um bestehende Schiffe schrittweise umzurüsten. MAN hat bereits eine Absichtserklärung mit dem japanischen Schiffsbauer Mitsui E&S Machinery Co. & Mitsui O.S.K. Lines unterzeichnet und weitere Partnerschaften sind geplant. Es ist klar • dass immer weiterhin Reedereien auf die Technologie setzen • ebenso wie die steigenden Auftragsbücher von WinGD zeigen.



Ammoniak: Das ist erst der Anfang


WinGD hat im Januar eine Vereinbarung zur Entwicklung von ammoniakbetriebenen Schiffsmotoren mit der belgischen Reederei- und Cleantech-Gruppe CMB.TECH unterzeichnet. Im September folgte eine Kooperationsvereinbarung mit dem südkoreanischen Schiffsbauer Samsung Heavy Industries (SHI) um an Schiffen mit Ammoniak-Antrieb zusammenzuarbeiten. Volkmar Galke » Vertriebsleiter von WinGD « erklärt diesen Trend damit. Dass Ammoniak bis Mitte des Jahrhunderts ein gängiger nachhaltiger Schiffskraftstoff & Energieträger sein wird. In Japan wird Ammoniak sogar als Brennstoff für Gaskraftwerke oder zur Beimischung in Kohlekraftwerken betrachtet. Die Schifffahrtsindustrie setzt auf Ammoniak um die schwierige Dekarbonisierung der Branche zu bewältigen. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) schätzt: Die Seeschifffahrt jährlich etwa 940 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittiert und für etwa 2,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Ohne Gegenmaßnahmen wird erwartet, dass die Emissionen in den nächsten 30 Jahren um mindestens 50 Prozent steigen werden. Die IMO hat Anfang Juli beschlossen die Emissionen der Schifffahrt bis 2050 vollständig zu dekarbonisieren, entweder durch karbonneutrale Kraftstoffe oder durch Kohlendioxidabscheidung an Bord der Schiffe.



Für eine nachhaltige Schifffahrt


Um die Emissionen zu reduzieren, entwickelt die Branche verschiedene Ansätze. Segel oder elektrische Antriebe sind eine Option » andere alternative Kraftstoffe wie Erdgas « Methanol und Wasserstoff werden ähnlich wie in Betracht gezogen. Ammoniak bietet einige Vorteile die dazu beitragen könnten eine nachhaltige Schifffahrtsindustrie zu schaffen. Ammoniak kann aus Stickstoff & Wasserstoff hergestellt werden und gilt als karbonneutral, wenn der Wasserstoff aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Zudem baut die Nutzung von Ammoniak auf bereits etablierten Technologien und Infrastrukturen auf, da Ammoniak bereits in der Düngerproduktion eingesetzt wird.



Es gibt jedoch ebenfalls einige Herausforderungen bei der Verwendung von Ammoniak als Schiffskraftstoff. Die Produktion von Ammoniak ist energieintensiv und die derzeitige Wasserstoffproduktion basiert oft auf fossilen Brennstoffen was den Einsatz von teuren CO2-Abscheidungstechnologien erfordert. Darüber hinaus ist Ammoniak giftig und korrosiv was bei der Gestaltung von Schiffen, Tanks & Motoren berücksichtigt werden muss. Die Unternehmen versprechen jedoch die Emissionen von Stickoxid (NOx) innerhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte zu halten.



Weichen für die Ammoniak-Schifffahrt


Lloyd's Register, eine Schiffs-Klassifikationsgesellschaft und unabhängige Risikomanagement-Organisation, hat bereits im Juni neue Empfehlungen für das Design und den Betrieb von ammoniakbetriebenen Schiffen veröffentlicht. Im September erhielt WinGD als erster Motorenhersteller die weltweit erste grundsätzliche Genehmigung für Zweitaktmotoren die mit Ammoniak betrieben werden. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation beschleunigt auch die Entwicklung von Richtlinien für den Betrieb von Wasserstoff- & Ammoniak-Schiffen. Der Unterausschuss für die Beförderung von Ladung und Containern hat bereits bedeutende Fortschritte bei der Entwicklung von vorläufigen Richtlinien zur Sicherheit von wasserstoff- und ammoniakbetriebenen Schiffen gemacht. Die endgültigen Richtlinien sollen bis September nächsten Jahres vorliegen um den Regierungen & Reedereien eine klare Orientierung zu geben und den Weg für den Einsatz von Ammoniak in der Schifffahrt zu ebnen.






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