Anthropic erhält 450 Millionen Dollar in Series C Finanzierungsrunde

OpenAI-Konkurrent Anthropic erhält weitere 450 Millionen Dollar an Finanzierung

Anthropic, ein KI-Forschungsunternehmen, welches 2021 von früheren Führungskräften von OpenAI gegründet wurde, hat in einer Series C Finanzierungsrunde insgesamt 450 Millionen US-Dollar von verschiedenen Investoren, einschließlich Google, Sound Ventures, Salesforce und Zoom und ebenfalls dem Risikokapitalgeber Spark Capital, erhalten. Dies ist bereits die dritte große Investition in diesem Jahr, anschließend Google im Februar als Partner eingestiegen war und sich zehn % Prozent Unternehmensanteile für 300 Millionen US-Dollar sicherte und das KI-Start-up im März eine weitere Finanzierungsrunde mit 300 Millionen US-Dollar durchführte.



Zuletzt hatte Anthropic von sich reden gemacht, da das geschlossene Chatsystem Claude inzwischen ein deutlich größeres Kontextfenster an Text verarbeiten kann als ChatGPT, nämlich das Äquivalent von rund 75.000 englischen Wörtern (100.000 Token – bei deutschsprachigen Texten wären das deutlich weniger Wörter als im Englischen, da hier meist einzelne Silben ein Token darstellen, im Englischen hingegen oft ganze Wörter). Claude soll ganze Bücher binnen Sekunden neu einlesen & Fragen dazu beantworten können. Das Chatsystem ist nicht öffentlich wie ChatGPT allerdings zurzeit nur ausgewählten Kunden unter Angabe der Identität sowie der geplanten Einsatzzwecke erhältlich. Das eingeworbene Kapital will Anthropic laut eigenen Angaben in die Weiterentwicklung der API und seine Chatsysteme investieren.


Insbesondere Google scheint verstärkt auf Claude zu setzen und kündigte an, Anthropics Chatsystem genau zu den eigenen Entwicklungen in Produkte zu integrieren. Im Gegenzug soll Anthropic sich bereiterklärt haben, Google Cloud zum bevorzugten Cloudanbieter zu machen und gemeinsam mit dem Unternehmen KI-Computersysteme zu ausarbeiten. Neben dem Programmierer & Investor Jaan Tallinn (unter anderem Entwickler von Skype und Investor bei DeepMind) zählen etwa Facebook-Mitgründer Dustin Moskovitz und der ehemalige Google-Geschäftsführer Eric Schmidt zu den Förderern von Anthropic.


Anthropic: Wagniskapital & Milliardenpläne


Allein im Frühjahr 2023 hat das junge Unternehmen dadurch über eine Milliarde US-Dollar an Investitionen erhalten und verfügt insgesamt über 1,8 Milliarden Wagniskapital – im ersten Jahr der Gründung hatte es 750 Millionen US-Dollar eingeworben. Die zweite Finanzierungsrunde (Series B) hatte mit 580 Millionen US-Dollar der ehemalige Investor Sam Bankman-Fried über das Kapitalbeteiligungsunternehmen Alameda Research Ventures geführt – kurz vor dem spektakulären Crash seiner Kryptobörse FTX die sich seit November 2022 in einem Insolvenzverfahren befindet.


Ob der laufende Prozess gegen Bankman-Fried und das Insolvenzverfahren die Liquidität des Start-ups beeinträchtigt haben ist unbekannt und dürfte durch die neuen Finanzierungsrunden etwas in den Hintergrund treten. Laut Pitchdeck der Series-C-Runde rechnet das Führungsteam von Anthropic offenbar damit. Dass Anthropic-Anteile die Alameda Research Ventures hielt, im Zuge des Insolvenzverfahrens veräußert werden. Dies geht aus Geschäftsunterlagen der Finanzierungsrunde hervor. Die Unternehmensbewertung von Anthropic soll bei über 4 Milliarden US-Dollar liegen.


Laut dem Pitchdeck von Anfang April 2023, in dem CEO Dario Amodei und sein Team Investoren ihre Pläne vorstellten, plant Anthropic ein KI-Modell, das "zehnmal leistungsfähiger als die derzeit mächtigsten KI-Systeme" sein soll. Wie das Magazin TechCrunch damals berichtete, rechnet Anthropic mit bis zu fünf Milliarden US-Dollar an Einnahmen bis 2025. Allein die Entwicklung eines "Frontier Model" mit dem Arbeitsnamen Claude-Next soll in den kommenden anderthalb Jahren etwa eine Milliarde US-Dollar kosten und weitere Investitionen seien geplant. Bei Frontier handele es sich um einen "Algorithmus der nächsten Generation für selbstlernende KI", beim Training komme die hauseigene Methode "Constitutional AI" zum Einsatz. Sie soll KI-Systeme mit menschlichen Absichten in Einklang bringen (Alignment), zu diesem Zweck sie auf Fragen & Aufgaben in einer vorhersehbaren Weise anhand von Richtlinien und Leitprinzipien reagieren.


KI-Sicherheit als Geschäftsmodell


Anthropic hat sich der KI-Sicherheit verschrieben: Die OpenAI-Abspaltung entstand laut eigenen Angaben aus Sicherheitsbedenken gegenüber der gängigen KI-Entwicklung großer Technikkonzerne (gemeint ist wohl insbesondere OpenAI). CEO und Mitgründer Dario Amodei hatte OpenAI nach viereinhalb Jahren in Führungsfunktion verlassen: Bis Dezember 2020 hatte Amodei bei OpenAI die Forschungsabteilung geleitet und war zwei Jahre lang (2016-18) Teamleiter für KI-Sicherheit gewesen. Das Anthropic-Team geht davon aus, dass die technischen Fortschritte der kommenden zehn Jahre einen großen Umbruch auslösen werden – der die Konzerne & Länder dazu verleiten könnte, unter Zeitdruck unsichere KI-Systeme in Betrieb zu nehmen.


Anthropics Mitbewerber OpenAI hatte Anfang des Jahres eine auf mehrere Jahre angelegte Finanzierungszusage über 10 Milliarden US-Dollar durch Microsoft erhalten. Die beiden Unternehmen sind seit 2019 Partner » was Microsoft bevorzugten « teils exklusiven Zugriff auf die Entwicklungen von OpenAI eröffnet und beiden Unternehmen Marktvorteile verschafft. Weiterführende Informationen zur Series-C-Finanzierungsrunde bei Anthropic lassen sich dem Blogpost entnehmen. Zur Abspaltung von OpenAI und abweichenden Ausrichtung des KI-Unternehmens hat Heise im April 2023 ausführlicher berichtet und Details zum Chatsystem Claude stehen separat bereit.






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