Zwei Milliarden Menschen könnten im Jahr 2100 unter zu hohen Temperaturen leiden

Klimawandel: 2100 wird es für zwei Milliarden Menschen zu heiß sein

Neue Berechnungen zeigen, dass bis zum Ende des Jahrhunderts 22 Prozent der Menschheit außerhalb der klimatisch sicheren Zonen leben werden, was zu gefährlicher Hitze führen könnte. Die mittleren Temperaturen sollten nicht höher als 29 Grad Celsius sein, um eine sichere Umgebung zu gewährleisten. Aktuell leben etwa 60 Millionen Menschen in solchen Gebieten, aber im Jahr 2100 könnten es aufgrund des Klimawandels bis zu zwei Milliarden sein, wobei fast die Hälfte davon in Indien und Nigeria leben würde.



Die menschliche "Klimanische"


Wie die Forschungsgruppe um Timothy Lenton von der Universität Exeter erläutert, widmet sich die Studie der sogenannten Klimanische. Dabei handelt es sich um jene Regionen der Welt, in denen die Menschheit in der Vergangen und bis heute bevorzugt gelebt hat. Demnach hat die Bevölkerungsdichte historisch zuerst in Regionen Höchststände erreicht, in denen Durchschnittstemperaturen von etwa 13 Grad Celsius geherrscht haben, später sei ein zweiter Gipfel in Monsungebieten erreicht worden, wo im Schnitt 27 Grad Celsius erreicht wurden. Bei niedrigeren und höheren Temperaturen steige die Sterblichkeit, woraus das Konzept der Klimanische entstanden sei.


Habe in der Vergangenheit der Großteil der Menschheit in Regionen mit einer mittleren Temperatur von 13 Grad Celsius gelebt, habe sich dieser Wert inzwischen nach oben verschoben. Zum Vergleich, in Deutschland lag die Mitteltemperatur zuletzt bei 10,5 Grad Celsius, 2,7 Grad mehr als zwischen 1881 und 1910. Während aktuell bereits 60 Millionen Menschen in Gegenden mit im Mittel mehr als 29 Grad Celsius leben, steige die Zahl ab einer Erderwärmung um 1,2 Grad Celsius rapide an. Das ist leicht über dem bereits erreichten Wert, in den kommenden Jahren dürfte der übertroffen werden. Außerhalb der "Klimanische" leben demnach aber bereits 600 Millionen Menschen.


Die Forschungsgruppe schreibt weiter, dass bei einer Begrenzung der globalen Klimaerwärmung auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau "lediglich" 5 Prozent der Menschheit gefährlicher Hitze ausgesetzt wären. Sollte das Pariser Klimaabkommen noch eingehalten werden, könnte man dieses Schicksal also einem Sechstel der Menschheit ersparen. Denn das Team ist von einer Erwärmung um 2,7 Grad Celsius ausgegangen, die werde aktuell prognostiziert. In dem Fall würde es Staaten wie Mali und Burkina Faso geben, die vollständig zu heiß wären, besonders große Gebiete mit übermäßiger Hitze würde es in Brasilien, Australien und Indien geben.


Keine Begründung für Panikmache


Expertinnen und Experten loben das in der Studie angewandte Konzept der "Klimanische" als nützlich, um die Auswirkungen des Klimawandels zu illustrieren. Die Studie zeige auch, dass "Bemühungen zur Begrenzung der Erwärmung das menschliche Leid erheblich verringern können", meint etwa Richard Klein vom Stockholm Environment Institute gegenüber dem Science Media Center. Es blieben aber auch wichtige Punkte in der im Fachmagazin Nature Sustainability erschienen Arbeit außen vor. So sei eine Anpassung an zu hohe Temperaturen technisch immer möglich, aber in den betroffenen Ländern sei das vor allem aus finanziellen Gründen zumeist keine Option.


Bei der Frage der klimawandelbedingten Migration sollte die Studie nicht zur Panikmache führen, meint Klein. Die meisten Klimaflüchtlinge würden innerhalb eines Landes oder in Nachbarländer umziehen. Es werde aber immer wichtiger, Menschen vor Ort zu unterstützen und die Erderwärmung zu begrenzen. Auch die Geographin Lisa Schipper von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn warnt davor, die Studie dahingehend zu interpretieren, dass der Klimawandel eine Massenflucht auslösen wird. Man dürfe die finanzielle Hilfe für betroffene Gebiete nicht einstellen, müsse aber dabei helfen, wenn Menschen sich in Sicherheit bringen.






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