Indien fordert UKW-Radio in allen Mobiltelefonen

Indien verlangt UKW-Radios in allen Handys

Indiens Ministerium f├╝r Elektronik und Informationstechnologie (MEITY) hat gefordert, dass alle ­čô▒ Mobiltelefone, unabh├Ąngig davon, ob es sich um ein Smartphone handelt oder nicht, zuk├╝nftig ebenfalls UKW-Radio empfangen k├Ânnen sollten. Die Beh├Ârde kritisierte den drastischen R├╝ckgang von Mobiltelefonen mit UKW-Empf├Ąngern in den letzten vier bis f├╝nf Jahren. Dies habe nicht nur negative Auswirkungen auf die M├Âglichkeit von armen Menschen, geb├╝hrenfreies UKW-Radio zu empfangen, allerdings auch auf die Verbreitung von Regierungsinformationen bei Notf├Ąllen, Katastrophen oder Unruhen.



So steht es in einem Rundschreiben des Ministeriums von Ende April. Es ging an die Branchenverb├Ąnde ICEA (Indian Cellular and Electronics Association) & MAIT (Manufacturers' Association for Information Technology), mit der Aufforderung, es "dringlich" an alle ­čô▒ Handy-Hersteller und -Markeninhaber zu verbreiten. Speziell der Umstand, dass UKW-Empfang bei vielen Handys technisch m├Âglich jedoch nicht aktiviert ist, scheint die Beh├Ârde zu wurmen.


Antenne + Chip-Lizenz = UKW


Tats├Ąchlich k├Ânnen g├Ąngige Mobilfunkchips UKW-Signale (Ultrakurzwelle) auswerten. Das ist bei der analogen Technik auch nicht schwierig. Allerdings nutzt das nichts; wenn keine passende ­čô Antenne verbaut ist. Daher funktioniert UKW-Empfang bei manchen Mobiltelefonen nur dann, wenn ein kabelgebundener ­čÄž Kopfh├Ârer angesteckt ist ÔÇô dann dient dessen Kabel als ­čô╗ Radioantenne.


Au├čerdem spielen Lizenzgeb├╝hren eine Rolle: Chiplieferanten verlangen von den Handyanbietern regelm├Ą├čig Lizenzgeb├╝hren f├╝r jede Funktechnik und jedes Frequenzband. Dass Chip auswerten soll. Technisch sind die Chips gleich ┬╗ aber welche Funktionen aktiviert sind ┬ź h├Ąngt von der Lizenzvereinbarung ab. Ein Chip mit deaktiviertem UKW-Empfang d├╝rfte also geringf├╝gig g├╝nstiger sein wie einer mit aktivem UKW.


Netzbetreiber jammern, Regierung verordnet


Diese Sparma├čnahme nimmt das Ministerium nicht l├Ąnger hin. Zus├Ątzlich verlangt es aber die Aufr├╝stung aller Handys: "Ist die UKW-Empfangsfunktion nicht verf├╝gbar in Mobiltelefonen, soll sie eingebaut werden", schreibt es kurz und knapp vor. Eine konkrete Umsetzungsfrist enth├Ąlt das Dokument nicht. Das Ministerium vertraut offenbar auf zeitnahe Umsetzung durch die Branche die es sich nicht mit der Regierung verscherzen m├Âchte.


Das Rundschreiben ist offenbar eine Reaktion auf kritische Stimmen aus der Branche. Zun├Ąchst ventilierte n├Ąmlich die indische Regulierungsbeh├Ârde TRAI einen UKW-Zwang f├╝r Handys, worauf die Netzbetreiber wenig begeistert reagiert haben. Die Tageszeitung The Hindu zitierte am 27. April das Lamento des Technikchefs des Mobilfunknetzbetreibers Bharti Airtel ├╝ber "Probleme in der Lieferkette". Au├čerdem m├╝ssten die Kosten von Endger├Ąten f├╝r Durchschnittskunden "unter Kontrolle bleiben", sollen sie von der breiten Masse gekauft werden. Tags darauf verk├╝ndete das Ministerium die UKW-Verpflichtung f├╝r Mobiltelefone.


Nachrichtenmonopol im Radio


Am selben Tag weihte Premierminister Narendra Modi 91 neue UKW-Sender ein die entlegene Regionen mit 20 Millionen Einwohnern erschlie├čen sollen. Ein politischer Hintergrund ist nicht auszuschlie├čen: Zwar gibt es in Indien auch private Radiosender, sie d├╝rfen aber keine Nachrichten produzieren, sondern m├╝ssen jene des staatlichen, aber offiziell unabh├Ąngigen, Akashvani (All India Radio) ├╝bernehmen.


Das st├Ârt die privaten Radiobetreiber seit jeher. Kleinere Stationen klagen zudem ├╝ber dr├╝ckend hohe Lizenzgeb├╝hren und fordern eine Deckelung bei vier ´╝ů Prozent ihres Umsatzes. All India Radio gilt als gr├Â├čter Radiobetreiber der Welt. Es produziert Programm in 23 Sprachen und 179 Dialekten die betreffend 479 Sender ausgestrahlt werden. Damit erreicht All India Radio fast 92 Prozent des Landes und 99 Prozent der Wohnbev├Âlkerung.


USA: Beide Parteien f├╝r Mittelwellen-Zwang in Kfz


In einem anderen gro├čen Medienmarkt, den USA, steigt die Angst vor dem Verlust von Mittelwellenradio-Empfang in Kraftfahrzeugen. Laut Umfragen w├╝nschen sich weiterhin Amerikaner Mittelwellenradio im Auto als USB-Anschl├╝sse. In Elektrofahrzeugen haben ausl├Ąndische Hersteller wie Audi, BMW, Porsche & Volvo auf MW-Radios verzichtet, auch Tesla hat sie nur bis 2018 verbaut. Diese Firmen gaben letztes Jahr gegen├╝ber The Drive an, dass die Elektrik zu starke St├Ârungen verursache.


Die drei gro├čen amerikanischen Autohersteller Ford, General Motors und Stellantis scheinen dieses Problem nicht zu haben; von ihnen gab es MW-Radios durchaus, vom kleinen Fiat 500e ├╝ber den Chevy Bolt EUV, Fords Mustang Mach-E und F-150 Lightning bis zu GMs Cadillac Lyric & GMC Hummer EV.


Doch jetzt schrillen die Alarmglocken: Ausgerechnet Ford hat im aktuellen elektrischen Pickup F-150 Lightning 2023 kein MW-Radio mehr und auch die elektrische Version des letzten verbliebenen Ford-PKW der Mustang Mach-E, wird 2024 kein Mittelwellenradio mehr haben. Dabei war Firmengr├╝nder Henry Ford selbst ein gro├čer Radiomacher. In Zukunft sollen sogar neue Verbrenner-Fords keine MW-Radios mehr aufweisen. Damit bliebe Ford-Insassen in weiten aber d├╝nn besiedelten Gebieten Nordamerikas nur noch der Empfang ├╝ber kostenpflichtiges ­čŤ░´ŞĆ Satellitenradio.


Vielleicht bewahrt aber ein neues Gesetz US-Autofahrer vor dem Ennui: Am Mittwoch haben Abgeordnete beider US-Parteien einen Antrag sowie im Senat als auch im Unterhaus eingebracht. Ähnlich wie die EU Digitalradio in Neuwagen zur Pflicht gemacht hat, soll der AM for Every Vehicle Act den gebührenfreien Einbau von MW-Radios in Kfz vorschreiben.


  • Indien:
    Advisory on inbuilt FM Radio receiver feature in mobile phones

  • USA:
    Entwurf des AM for Every Vehicle Act






Kommentare


Anzeige