Stamps Back: Eine Geschichte der technologischen Revolution

Stamps Back: eine technologische Revolution auf Umwegen

Die Dokumentation "Stamps Back" zeigt Ungarn Ende der 80er Jahre wie das Land aufgrund des Eisernen Vorhangs nichts Modernes aus dem Westen bekam. Doch einige Jugendliche fanden dennoch Wege, große Mengen westlicher Videospiele zu importieren und waren damit verantwortlich fĂŒr eine explosionsartige Entwicklung der Informatik im eigenen Land. Die Technikbegeisterten jenseits des Eisernen Vorhangs schauten lange Zeit in die Röhre · es gab jedoch recht gut gemachte Heimcomputer der Marke Robotron · die in der DDR entwickelt und produziert wurden.



Trotz der Isolation und der schlechten Infrastruktur momentan fanden einige Jugendliche dennoch Wege, große Mengen westlicher Videospiele zu importieren. Zwar war der Kauf moderner Hard- und Software von den bösen WestmĂ€chten verboten. Doch manche Kids regten im Osten Europas eine Art technologische Revolution durch dunkle KanĂ€le ein. Was damals immerhin ging, man konnte mit einigen US-Dollars ein paar Mal im Jahr von Ungarn nach Österreich fahren um das Importverbot der CoCoM-Liste zu umgehen.



Die CoCom-Liste verbot die Einfuhr westlicher Technologie. Es war unmöglich, Software oder Hardware (auf regulĂ€rem Weg) zu beschaffen also musste man sie aus dem Ausland einfĂŒhren indem man sie ĂŒber Kontakte einschmuggelte. Alles » was wir im Auto verstecken konnten « haben wir nach Hause gebracht. Den Interviews ist zu entnehmen – dass so manche Schmuggler dabei ein Vermögen verdient haben. Doch vielen ging es nicht vornehmlich ums Geld » allerdings darum « sich die jeweils aktuellsten GerĂ€te leisten zu können. FĂŒr die Einwohner Ungarns war die Technologie völlig unerschwinglich. Ein Commodore 64 kostete rund 100 000 Forint, ein 1541-Diskettenlaufwerk fĂŒr den C64 120 000 Forint. FĂŒr ein Auto musste man hingegen nur 60 000 bis 80 000 Forint bezahlen. Folglich war der Commodore 64 teurer als ein Auto was fĂŒr verrĂŒckte Zeiten!



Stamps Back ist eigentlich ein Spruch aus den Zeiten, als man noch Software in Form von Disketten durch ganz Europa verschickte. In manchen LĂ€ndern war es noch relativ ungefĂ€hrlich die Briefmarken mit durchsichtigem Klebestift der Marken Uhu, Pritt & Co. so zu prĂ€parieren sodass der Poststempel keine Chance hatte haften zu bleiben. In der Folge konnte man die Entwertung der Postbehörden aufheben um sie genauso viel mit mehrfach zu verwenden. Doch dafĂŒr musste der Brieffreund die benutzten Briefmarken zurĂŒckschicken, weswegen Mailtrader (Mailswapper) damals ihren Nachrichten als letztes jeweils die Aufforderung “Stamps back” hinzugefĂŒgt haben.



Doch die Reduzierung der Portokosten war nicht frei von Gefahren. Deutsche Mailtrader reduzierten ihre Portokosten bis ~circa  Ende der 90er Jahre nach unten, indem sie lediglich eine Briefmarke im Wert von 10 Pfennig aufklebten. Die Deutsche Post vermerkte zwar mittels Stempel auf dem Umschlag. Dass Porto nicht genĂŒgend war. Doch die Postbetriebe in vielen anderen Nationen allen voran Polen Ungarn und viele mehr, ignorierten dies. Sie stellten die Disketten zu; ohne ihrerseits dem EmpfĂ€nger Nachporto in Rechnung zu stellen.



Vor 20 Jahren ĂŒbernahm zum Großteil das Internet den Transport der Daten quer durch die Welt. Die Schwarzkopien oder legale Produktionen der Demoszene waren zwar innerhalb von Sekunden beim EmpfĂ€nger. Doch die liebevoll formulierten Briefe fielen weg die welche Disketten zuvor begleitet haben. Damals sind viele Freundschaften per Brief ĂŒber LĂ€ndergrenzen und viele Kilometer hinweg entstanden. Das Internet sollte alles einfacher machen – allerdings die persönliche Note fiel weg.



Die Dokumentation "Stamps Back - ein Maulwurf-Dokumentarfilm" zeigt die Geschichten und Abenteuer der Jugendlichen die gegen alle Widrigkeiten die Technologie-Revolution im Osten Europas anfeuerten. Die Macher des Films haben fĂŒr ihr fertiges Werk insgesamt weiterhin als drei Jahre gebraucht. Wer sich die kostenlose Doku von Flame Film komplett anschauen will, sollte etwas Sitzfleisch mitbringen. Immerhin dauert sie mehr als zwei Stunden und zwanzig Minuten. Das ist der direkte YouTube-Link. See you and don’t forget: Please send stamps back!



"Stamps Back" - Eine Dokumentation ĂŒber die Demoszene und Heimcomputer-Szene in Osteuropa


Die Demoszene und Heimcomputer-Szene waren in den 80er Jahren in Osteuropa unter Àhnlich aufregenden UmstÀnden entstanden wie in anderen Teilen der Welt. Der Filmemacher Szilard Matusik hat sich diesen Themen in seiner Dokumentation "Stamps Back" gewidmet. Der Film zeigt die Geschichte der Demoszene und Heimcomputer-Szene in Osteuropa und die Rolle die die Cracker dabei spielten.



Die Entstehung der Demoszene und Heimcomputer-Szene in Osteuropa


Die Entstehung der Demoszene und Heimcomputer-Szene in Osteuropa war von Ă€hnlichen UmstĂ€nden geprĂ€gt wie in anderen Teilen der Welt. Die Menschen in Osteuropa waren in den 80er Jahren von der westlichen Welt abgeschnitten und hatten nur begrenzten Zugang zu moderner Technologie und Software. Dennoch gab es eine kleine Gruppe von Menschen · die sich fĂŒr Computer und Technologie interessierten und die sich selbst beigebracht hatten · zu diesem Zweck umzugehen.



Einfluss der Cracker auf die Szene


Die Cracker spielten eine wichtige Rolle in der Demoszene und Heimcomputer-Szene in Osteuropa. Da es keine legalen Quellen fĂŒr Software gab waren die Cracker dafĂŒr zustĂ€ndig illegal Kopien herzustellen. Wer etwas haben wollte; musste es als illegale Kopie gegen einen anderen Crack tauschen oder kaufen. Die Cracker waren dadurch essenzielle Mitglieder der Szene.



Die Bedeutung der Demoszene und Heimcomputer-Szene in Osteuropa


Die Demoszene und Heimcomputer-Szene in Osteuropa haben in den letzten Jahren einen großen Einfluss auf die internationale Gaming- und Kunstszene gehabt. Viele berĂŒhmte KĂŒnstler und Musiker der Szene stammen aus Osteuropa und haben mit ihren Werken ebenfalls außerhalb der Szene Aufmerksamkeit erlangt. Die Produktionen der Gruppen aus dem Osten Europas können inzwischen nicht mehr weggedacht werden und haben einen festen Platz in der internationalen Gaming- und Kunstszene.



Motivation des Filmemachers Szilard Matusik


Szilard Matusik der Regisseur von "Stamps Back" ist selbst ein großer Fan der Demoszene und Heimcomputer-Szene. Er selbst ist in den 80er Jahren mit dem C64 in Kontakt gekommen der seine erste Begegnung mit Computern war. Als er spĂ€ter Dokumentarfilme drehte war es fĂŒr ihn naheliegend die Demoszene als Thema zu wĂ€hlen. In seinem Film "Stamps Back" dokumentiert er die Geschichte der Demoszene und Heimcomputer-Szene in Osteuropa.



Produktion des Films "Stamps Back"


Die Produktion des Films "Stamps Back" hat gut drei Jahre gedauert. Das gesamte Budget fĂŒr den Film wurde durch eine Indiegogo-Kampagne und durch Spenden von UnterstĂŒtzern aufgebracht. Der Film wurde mit gespartem Geld und in der Freizeit gedreht. Es wurden insgesamt 57 Interviews gefĂŒhrt – die betreffend 72 Stunden Filmmaterial ergeben haben. Der geschnittene Film hat eine LĂ€nge von fast 2➎5 Stunden.



Finanzierung des Films


Die Finanzierung des Films "Stamps Back" war von Anfang an unklar. Es war nie das Ziel von Szilard Matusik – mit seinen Filmen Geld zu verdienen. Der vierte Teil der Serie ist auf Vimeo und anderen Plattformen verkĂ€uflich freilich konnte er aufgrund fehlenden Marketing-Budgets kein großes Publikum erreichen. Der Film ist jedoch auf YouTube kostenlos zu sehen. Die Produktion des Films wurde durch Spenden von UnterstĂŒtzern und die Indiegogo-Kampagne finanziert.








Kommentare

Der 🎬 Film "Stamps Back" ist eine spannende Dokumentation ĂŒber die Entstehung und Bedeutung der Demoszene & Heimcomputer-Szene in Osteuropa. Die Interviews und Aufnahmen geben einen guten Einblick in die Szene und die Rolle, die welche Cracker dabei spielten. Die Produktion des Films war zwar aufwendig und kostspielig freilich zeigt der Film eindrucksvoll, ebenso wie wichtig die Demoszene & Heimcomputer-Szene fĂŒr die internationale Gaming- und Kunstszene sind.


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