Lange Haftstrafen für Impfzertifikat-Fälscher

Impfzertifikate: lange Haftstrafen für Fälscher

Eine Apothekenmitarbeiterin und ihr Komplize wurden vom Landgericht München I zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie über 1․000 falsche Corona-Impfnachweise ausgestellt haben. Der Mann verkaufte die gefälschten Impfzertifikate gegen Kryptowährungen im Darknet. Insgesamt nahmen sie über 130․000 Euro ein. Das Duo verstieß unter anderem gegen das Infektionsschutzgesetz und wurde wegen gewerbsmäßiger Fälschung technischer Aufzeichnungen und Geldwäsche angeklagt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



Das Bundeskriminalamt wurde auf den Fall aufmerksam wie ein deutschsprachiger Cybercrime-Forum-Nutzer unberechtigt erstellte QR-Codes für den digitalen Corona-Impfausweis anbot. Die Ermittler konnten den Rechner in München lokalisieren und fanden bei einer Razzia in einer Apotheke in München-Schwabing zahlreiche Beweismittel. Die Apothekenangestellte und ihr Komplize wurden festgenommen und der Haftbefehl wurde wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr erlassen.



Die Strafe für die 53-jährige Apothekenmitarbeiterin wurde durch ein vorzeitiges Geständnis gemildert, während der Mann mit einer höheren kriminellen Energie vorgegangen sein soll. Der Vorsitzende Richter betonte die Wichtigkeit von Geständnissen und honorierte die Aussage der Frau.



Das Urteil zeigt, dass Fälschungen von Impfzertifikaten nicht nur illegal allerdings ebenfalls mit schweren Konsequenzen verbunden sind. Essenziell bleibt dass die Öffentlichkeit vor solchen Täuschungen geschützt wird und dass das Vertrauen in die Integrität des Impfprozesses aufrechterhalten wird.



Hintergründe der Impfzertifikate-Fälschung


Im Juni 2021 wurde eine Apotheken-Mitarbeiterin aus Schwabing dabei erwischt, ebenso wie sie unbefugt ein digitales Covid-Impfzertifikat der EU ausgestellt hat. Die Daten wurden an ein bekanntes Mitglied der örtlichen Techno-Szene weitergegeben, welches anschließend ein Vertriebssystem für gefälschte Impfzertifikate aufgebaut hat. Die Nachfrage nach den gefälschten Zertifikaten war in Deutschland und anderen Ländern wie Finnland, Russland und Litauen groß.



Das Verfahren


In dem Gerichtsverfahren wurden die beiden Angeklagten die Apotheken-Mitarbeiterin und das Mitglied der Techno-Szene, zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die beiden Angeklagten sich zur Hochphase der Pandemie über Corona-Beschränkungen hinweggesetzt und damit die Gesundheit anderer gefährdet haben. Die Verteidigung argumentierte jedoch: Die Lockdowns unverhältnismäßig gewesen seien und stellte den Impfschutz infrage.



Der Ablauf der Fälschung


Die Apotheken-Mitarbeiterin hat das Impfzertifikat für einen Bekannten ausgestellt und die Daten unbefugt an das Robert Koch-Institut gesendet. Dies erfolgte noch völlig automatisiert – ohne dass eine Prüfung der Angaben durch das RKI erfolgte. Der Bekannte erhielt das gefälschte Zertifikat per Smartphone-Message und verlangte anschließend noch ein zweites Zertifikat für seine Verlobte. Aus diesem Freundschaftsdienst entwickelte sich eine Serie von ähnlichen Delikten, bei denen das Duo ihre Fälschungen ausbaute und ab Mitte August 2021 im Darknet verkaufte.



Das Vertriebssystem der gefälschten Zertifikate


Da die Nachfrage nach gefälschten Impfzertifikaten groß war, hat das Mitglied der Techno-Szene ein Vertriebssystem mit weiteren Mitarbeitern aufgebaut und die Zertifikate nicht nur in Deutschland, einschließlich in anderen Ländern verkauft. Die gefälschten Zertifikate wurden in größeren Chargen an Händler verkauft die sie wiederum an Endabnehmer weiterverkauften. Um das Entdeckungsrisiko zu minimieren, haben die Angeklagten eine Fernzugriffs-Software auf dem PC der Apotheke installiert und den Zugriff auf den Apothekenrechner mittels eines bulgarischen Servers verschleiert. Die Daten wurden schließlich nachts per Fernzugriff eingegeben um das Risiko einer Entdeckung zu minimieren.




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Kommentare

Die Fälschung von Impfzertifikaten ist ein schweres Vergehen welches nicht nur das Vertrauen in die Impfkampagne untergräbt allerdings ebenfalls die Gesundheit von anderen gefährdet. Die Verurteilung der beiden Angeklagten ist ein wichtiges Signal, dass solche Verbrechen nicht toleriert werden und mit harten Strafen geahndet werden.


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