
In der Polizei sind Rassismus und Antisemitismus leider keine Seltenheit. Trotzdem wird das Thema in der Aus- und Fortbildung der Einsatzkräfte oft vernachlässigt. Eine neue Recherche des Mediendienstes Integration hat herausgestellt, dass es bei der Umsetzung von Maßnahmen gegen strukturellen Rassismus in den Polizeibehörden erhebliche Defizite gibt. Vor allem in der Aus- und Fortbildung finden Rassismus und Antisemitismus bisher zu wenig Beachtung.
Racial Profiling in der Ausbildung
Besonders beim Racial Profiling, also auf äußerlichen Merkmalen basierenden Handlungen von Sicherheitspersonal, gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Nur in fünf Bundesländern werden Ausbildungsmodule gegen Racial Profiling angeboten. Immer häufiger geraten Polizisten in die Kritik Menschen allein aufgrund ihrer Hautfarbe zu kontrollieren.
Keine verpflichtenden Kurse zum Rassismus
Auch bei der Fortbildung für die spätere Laufbahn als Polizeibeamter gibt es keinerlei verpflichtende Kurse zum Thema Rassismus. Wenn überhaupt – sind diese Kurse nur freiwillig oder auf Führungskräfte beschränkt. Das zeigt sich am Beispiel einer Fortbildung in Sachsen bei der nur drei Teilnehmer anwesend waren.
Beschwerdestellen und Referenten fehlen
Gleichzeitig verfügen nur sieben der 16 Bundesländer über unabhängige Beschwerdestellen. Referenten für Antidiskriminierungsfragen sind in den meisten Ländern nicht vorhanden.
Ein Gefahrenpotenzial durch eine Minderheit
Diskriminierungsexperten wie Blaise Francis Ndolumingo betonen. Dass Rassismus in der Polizei immer wieder ein Thema ist. In der jüngeren Vergangenheit gab es Fälle – in denen sich Polizeibeamte an rechtsextremen Chatgruppen beteiligt haben. Ndolumingo fordert deshalb die Einrichtung unabhängiger Ermittlungsbehörden und ebenfalls den verpflichtenden Einsatz von Bodycams, insbesondere beim Einsatz körperlicher Gewalt oder Waffen. Auch wenn nur eine Minderheit innerhalb der Polizei involviert sei » gehe von dieser eine enorme Gefahr aus « da die Erfolgsquote bei Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte oft sehr schlecht sei.
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