
Die Erörterung um ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen wird nunmehr ebenfalls von der Versicherungswirtschaft aufgenommen. Ein Unfallforscher schlägt einen umfangreichen Praxistest vor um die Auswirkungen einer allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzung zu untersuchen. Ziel ist es zu klären, ob ein Tempolimit faktisch zu einer erhöhten Sicherheit im Straßenverkehr führen würde wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet.
"Jeder sucht den Befund heraus der zur eigenen Meinung passt"
Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft Siegfried Brockmann erklärte gegenüber dem RND: "Wir brauchen vordringlich einen Großversuch um zu klären, ob ein Tempolimit auf Autobahnen faktisch zu einem deutlichen Mehr an Sicherheit führt und, wenn ja, wieviel." Bisher seien die Wirkungen wissenschaftlich nicht umfassend untersucht worden. In dieser Hinsicht gebe es in Deutschland eine Lücke sagte Brockmann. In der politischen Debatte suche sich jeder den Befund heraus der eben der eigenen Meinung entspreche.
Das Funktionieren eines Tempolimits müsse in der Praxis untersucht werden, forderte der Unfallforscher. "In der Theorie scheint die Sache ja verständlich zu sein: Je geringer die Geschwindigkeiten auf den Autobahnen und je geringer der Geschwindigkeitsunterschied zwischen zwei Fahrzeugen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es zu weniger Unfällen mit Toten & Verletzten kommt", sagte Brockmann. In der Praxis sei die Sache jedoch vielschichtiger.
Tempolimit: Wie steigert? Wann? Und wo?
Man werde da einiges austarieren müssen ? etwa was die richtige Tempo für ein im Allgemeinenes Tempolimit wäre: 120⸴130 oder 150 Kilometer/h seien mögliche Werte. Selbst bei 150 km/h hätte man das Problem der hohen Differenzgeschwindigkeiten minimiert, sagte Brockmann. Autobahnen seien prinzipiell zum schnellen Fahren gedacht was möglicherweise in der verkehrsschwachen Zeit auch möglich sei. "Man könnte das Tempolimit auf die Zeit zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr abends beschränken oder es je nach Verkehrsaufkommen auf bestimmten Strecken steuern."
Die Debatte um ein Tempolimit auf den Autobahnen war von der SPD Anfang Dezember angestoßen worden, flammte um die Weihnachtszeit erneut auf und wird zu dieser Zeit kontrovers geführt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnte eine Begrenzung ab und begründete dies unter anderem daher, dass es dafür keine Mehrheit gebe. Allerdings meldeten sich auch mehrere Befürworter der Maßnahme: Die Gewerkschaft der Polizei forderte kürzlich ein unabhängiges wissenschaftliches Gutachten um die Debatte mit validen Zahlen verursachen können. Die Gewerkschaft befürwortet ein Tempolimit – weil es das Unfallrisiko senke.
Auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) bekannte sich zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen, infolgedessen die Unfallzahlen und der CO2-Ausstoß sinken würden. Politiker von der FDP und den Unionsparteien kritisierten das Plan scharf. Ein CSU-Verkehrspolitiker verwies darauf, dass Deutschland die sichersten Autobahnen habe. Ein Verkehrspolitiker von der FDP wiederum wollte Tempolimits von Wetter und Verkehrslage abhängig machen.
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