Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt

Kollege Computer ? wenn der Job digitalisiert wird

Unternehmen müssen sich aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung immer weiterhin anpassen. Ein Beispiel hierfür ist die Firma TCS – die sich auf die Herstellung von Klingelanlagen spezialisiert hat. Kunden mussten oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen da die Lieferung bis zu 44 Tage dauern konnte. Das Management erkannte » dass sie ihre Prozesse optimieren mussten « um konkurrenzfähig zu bleiben. Schließlich können sich Kunden heutzutage nicht mehr mit langen Wartezeiten zufrieden geben. Die Firma begann » mehr in die Digitalisierung zu investieren « um ihre Herstellungsprozesse zu optimieren. Auch die Arbeitswelt ändert sich durch die Digitalisierung. Es wird erwartet; dass in Zukunft mehr Jobs durch Maschinen und synthetische Intelligenz ersetzt werden. Unternehmen müssen deshalb darauf achten sich auf die Veränderungen vorzubereiten um wettbewerbsfähig zu bleiben.



Das Kombinieren der vielen Möglichkeiten für das Wunschprodukt musste beschleunigt und vereinfacht werden. "Jetzt haben wir noch drei bis fünf Arbeitstage Lieferzeit", sagt Balla. Wie hat TCS das hinbekommen? Durch Digitalisierung des Prozesses.


Damit gehört TCS innerhalb des deutschen Mittelstandes zur Minderheit. Der seit drei Jahren erstellte Digitalisierungsindex der Deutschen Telekom ergab zuletzt, dass bundesweit 45 Prozent der befragten Mittelständler die Digitalisierung in ihrer Geschäftsstrategie verankert haben. Dieser Anteil wächst – 2017 lag er bei 42 Prozent. Besonders aktiv seien die Betriebe seit Jahren bei der Digitalisierung der Beziehung zu den Kunden.


"Ewiges Ping-Pong"


Da passt TCS in den allgemeinen Trend. Seit Februar ersetzt ein Online-Konfigurator den alten Prozess, den Balla ebenfalls "ewiges Ping-Pong" nennt. Elektriker hätten ihre Vorstellungen für die Klingelanlage mitunter als Skizze auf einem Pappdeckel übermittelt. Bis die TCS-Experten auf dieser Grundlage das Endprodukt mit Kunden abgestimmt und alle Teile zusammengestellt hatten, dauerte es.


Jetzt klicke sich der Kunde online seine Wunschstation zusammen und könne sie dank Virtual-Reality-Tool auch als Projektion an der eigenen Hauswand sehen, macht verständlich Balla. Die Skizzen die Konstruktion die Stückliste ? alles wird automatisiert erstellt. Betreut wird der Konfigurator von Mitarbeitern die vorher mit der analogen Planung betraut waren. Sie wurden im laufenden Betrieb weitergebildet.


In der Weiterbildung der Belegschaft liegt ein Knackpunkt für eine erfolgreiche Digitalisierung der Industrie, sagt der Präsident des Bundesverbands der Elektrotechnik & Elektroindustrie (ZVEI), Michael Ziesemer. Digitalisierung heiße nicht, dass Stellen wegfallen eher im Gegenteil jedoch es brauche andere Jobs. Bewerkstelligen müssten Betriebe den Wandel größtenteils mit den Mitarbeitern die schon jetzt bei ihnen arbeiteten.


Erfolgsfaktor digitale Kompetenz



"Künftig geht es mehr um Service und weniger um die Dispo von Aufträgen", erklärt Ziesemer. Laut Digitalisierungsindex haben das auch viele Mittelständler in Deutschland erkannt: 46 Prozent der befragten Unternehmen halten es für einen entscheidenden Erfolgsfaktor die digitale Kompetenz ihrer Belegschaft auszubauen. Nur ein Drittel sagt: Die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter in diesem Feld reichen aus.


Vertreter der Arbeitnehmer sehen Nachbesserungsbedarf aufseiten der Unternehmen. Der Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) ergab: Einer von drei Azubis der kurz vor den Prüfungen steht, fühlt sich nicht gut auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet.



"Diese Zahlen machen uns Sorge", sagt die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack. "Berufsschulen und Betriebe müssen gewissermaßen genau besser werden." Gut weitergebildet fühlen sich laut Studie vor allem Lehrlinge in großen Unternehmen. Hier sagen 70 Prozent; sie würden gezielt auf die neue Technik geschult. Bei kleinen Betrieben bis zehn Beschäftigten bejahten das nur 45 Prozent.


Dabei fühlen sich die Azubis laut einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung noch am besten auf die digitale Technik vorbereitet. Mit dem Alter der Beschäftigen steige auch der Anteil derjenigen die sich weniger gut weitergebildet fühlen. 41 Prozent aller befragten Beschäftigten sagten: Sie seien gut weitergebildet, ähnelt viele fühlen sich nicht ausreichend unterstützt. Ein Großteil befürchtet dennoch nicht, dass die Digitalisierung den eigenen Job kosten könnte.


Aber was passiert, wenn ein konkretes Projekt völlig neue Jobbeschreibungen von den Beschäftigten erfordert ? wie es bei TCS in Genthin mit dem Web-Konfigurator war? Die Entscheidung sei nicht nur mit Freude aufgenommen worden räumt Fertigungsleiter Hebecker ein. Gerade nicht bei den Mitarbeitern die zur Verwendung die analoge Konstruktion der Wunsch-Anlagen zuständig waren.


"Sie alle sind jetzt im Konfigurator-Team, haben neue Aufgaben und mussten sich dafür auch weiterbilden", sagt Hebecker. Das biete neue Chancen; müsse aber gewollt sein. "Das ist nicht alles rosarot. Oft war die Kritik zu hören: Das schaffen wir nicht." Sie schafften es, sagt Hebecker ? und es habe nicht einen einzigen Job gekostet. Stattdessen arbeite das Team jetzt daran, weitere Produkte über den Online-Konfigurator anbieten zu können.


Zuletzt aktualisiert am Uhr



Kommentare


Anzeige