
Geht es nach Bundesinnenminister Horst Seehofer sollen Chat-Apps wie Facebook Messenger, WhatsApp & Co. demnächst eine Abhörschnittstelle für Strafverfolgungsbehörden haben. | (c) Areamobile
Die Verschlüsselung von vielen Messengern gilt als unknackbar. Der Spiegel berichtet von Plänen des Innenministers, die Messengerdienste zur Weitergabe entschlüsselter Nachrichten zu zwingen - sonst könnte ihnen in Deutschland die Sperrung drohen.
Nach einem Bericht des Magazins Der Spiegel plant Bundesinnenminister Horst Seehofer, verschlüsselte Messengerdienste zur Einrichtung einer Abhörschnittstelle zu zwingen oder die Anbieter andernfalls zu blockieren. Messenger wie Whatsapp, Signal, Wire oder Threema verschlüsseln Nachrichten standardmäßig mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei anderen Apps wie dem Facebook Messenger und Telegram muss die Verschlüsselung erst vom Nutzer aktiviert werden.
Auf eine richterliche Anordnung hin sollen die Messengerdienste die - auch für sie nicht lesbaren - Inhalte an eine Behörde weiterleiten. Knackpunkt: Die Inhalte sollen für die Behörde einsehbar sein, müssten also entschlüsselt werden. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann allerdings nur an den jeweiligen Endgeräten entschlüsselt und damit auch nur dort gelesen werden. An diese kann üblicherweise nur mit Malware auf den jeweiligen Endgeräten wie einem Staatstrojaner zur Onlinedurchsuchung oder Quellentelekommunikationsüberwachung gelangt werden.
Das Thema soll laut Spiegel auf der kommenden Innenministerkonferenz Mitte Juni in Kiel behandelt werden. Ein Beschlussvorschlag fordert, das Problem mit "neuen, grundsätzlichen Überlegungen" anzugehen. "Die Freiheit zum Einsatz von Verschlüsselung" müsse "mit den unabweisbaren Bedürfnissen der Sicherheitsbehörden in Einklang" gebracht werden. Verschlüsselte Kommunikation könne der Regelfall sein, staatlicher Zugriff müsse aber - soweit technisch möglich - "als gesetzlich geregelte Ausnahme" gewährleistet sein.
Sollte tatsächlich eine Abhörschnittstelle in die Verschlüsselung eingeführt werden und die Inhalte an Dritte ausgeleitet werden, würde dies de facto nichts anderes als die Abschaffung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeuten. Anbieter, die der Pflicht nachkommen, sollen laut dem Bericht des Spiegels von der Bundesnetzagentur in Deutschland gesperrt werden können. Wie diese Sperre umgesetzt werden und technisch funktionieren soll, bleibt unklar.
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