Wenn weder OLEDs noch LCDs die gewünschten Eigenschaften erfüllen, können Mikro-LED-Displays eine Alternative sein. Die Display Week präsentierte einige dieser Displays mit schnellen LED-Pixeln die von Lebensdauerproblemen und geringen Leuchtdichten befreit sind.
Heutige Displays nutzen entweder Flüssigkristalle oder organische Leuchtstoffe zur Bildanzeige. Während OLEDs selbst leuchten – muss fürs LCD stets eine Hintergrundbeleuchtung aus Leuchtdioden her. Die sind im besseren Fall so viel im Displayrücken verteilt und können zonenweise gedimmt werden ? Ziel sind möglichst hohe Kontraste. Sehr gut LCDs mit Mini-LEDs im Backlight nutzen über Tausend kleine Dioden.
Eine LED pro Bildpunkt
Einen Schritt weiter gehen Mikro-LED-Displays: jedes Pixel besteht aus einer Diode, im Full-HD-Display also über zwei Millionen LEDs; der Flüssigkristall entfällt. Im Prinzip handelt es sich um "anorganische OLEDs-Displays", nur ohne Alterungsprobleme. Bei schwarzen Bildinhalten schalten sie das Pixel/die LED einfach aus und drehen sie bei sehr hellen Bildinhalten voll auf. Dazwischen wird die Diodenhelligkeit per Pulsweiten-Modulation gesteuert und so Mischfarben erzeugt; pro Bildpunkt leuchtet ein Tripel aus roter, grüner und blauer LED.
Hiermit erzielen Mikro-LED-Displays ähnlich gute Schwarzwerte wie OLEDs, mindestens so helle Bilder wie LCDs und sehr satte Farben wie LCDs mit RGB-LED-Backlight (von denen es leider nicht weiterhin viele gibt, sie waren wohl zu teuer). Weil die Dioden so winzig sind ? sie haben maximal 100 Mikrometer Kantenlänge ?, bedecken sie nur einen Bruchteil der Pixelfläche im Notebookdisplay, Monitor oder Fernseher. Packt man sie auf Glassubstrate – ergibt sich schon fast automatisch ein transparentes Display.
Display zum Durchgucken
Solche transparenten Mikro-LED-Displays konnte man auf der Display Week bewundern. Besonders der 7,6-zöllige Schirm des chinesischen Panelherstellers Tianma überzeugte ? er erhielt zu Recht den Besucher-Award (anders als beim ESC werden die Bewertungen des Publikums und der Expertenjury nicht vermischt). Das zusammen mit Playnitride entwickelte Display ist nach Angaben des Herstellers 0⸴7 mm dünn und hat eine Transparenz von 60 Prozent. Seine 720 × 480 Bildpunkte leuchten 600 cd/m2 hell. Gedacht ist der 3:2-formatige Schirm beispielsweise für HUD-Anwendungen im Auto.
Ein weiteres transparentes Mikro-LED-Display zeigte der chinesische Panelhersteller CSOT (China Star Optoelectronics Technology), hier ein 3,3-zölliges Display für Mobilanwendungen. Die knapp 27․000 LEDs (232 × 116 Pixel, 2:1-Format) wurden in Dünnfilmtechnik hergestellt und sitzen als RGB-Chip auf einem IGZO-Substrat. Die Transparenz ist mit 45 Prozent etwas geringer die Pixel sieht man etwas stärker als beim Mikro-LED-Display von Tianma.
Bei allen Vorteilen gibt es bei den Mikro-LED-Displays noch einige Hürden zu überwinden, bevor sie in Massen auf den Markt kommen. Besonders die Produktion wirft Probleme auf, denn die LEDs müssen per Pick & Place vom Wafer auf das Displaysubstrat übertragen werden. Das ist zeitaufwendig; fehleranfällig und damit sehr teuer.
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